Kirill Petrenko dirigiert Mahlers Siebte Symphonie; © Stephan Rabold
Stephan Rabold
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Philharmonie Berlin - Saisonauftakt der Berliner Philharmoniker

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Die neue Saison ist eröffnet - die Berliner Philharmoniker und ihr Chefdirigent Kirill Petrenko haben sich dafür gleich einen ziemlichen Brocken mit Gustav Mahlers siebter Sinfonie ausgewählt. Eine gute Wahl?

Kirill Petrenko war ein wenig indisponiert. Aufgrund einer Fußverletzung kann er bei der anstehenden Tournee nur ein Programm von zwei dirigieren. Immerhin stand er hier am Pult, zeitweise auf eine Art Barhocker gestützt. Aber so konnte das Konzert immerhin stattfinden.

Rotwein auf dem Plüschsofa

Wo Petrenko draufsteht, ist auch Petrenko drin: Er gibt also auch bei Mahler Präsenz, Kontrolle und Direktheit. Gleich vom ersten Thema wird man so in den Sessel gedrückt wie beim Abheben eines Flugzeugs. Alles scheint durchdacht, aber wohin Petrenko damit will, bleibt sein Geheimnis.

Mahler als Vorreiter der Moderne, wie etwa von Pierre Boulez gedeutet, ist nicht Petrenkos Ansatz. Mehr der Blick aus der Spätromantik mit einer gewissen Behaglichkeit und Kulinarik. Da sitzt man auf einem Plüschsofa und trinkt ein Glas schweren Rotwein. Das erinnert mehr an den späten Richard Strauss: alles professionell gemacht - aber ziemlich harmlos.

Kühe auf der Landstraße

Gustav Mahler ist immer ein Komponist auch der zweiten Ebene. Das Ironische, Zitathafte tritt gerade in seiner siebten Sinfonie ans Tageslicht. Wenn etwa im Scherzo ein Wiener Walzer anklingt, ist das keine Reminiszenz an Johann Strauß, sondern das Zerrbild einer untergehenden Zeit.

Wenn im 2. Satz Herdenglocken erklingen, entsteht das Bild einer Weltabgeschiedenheit. Wenn aber Kirill Petrenko das einfach so durchwinkt, möchte man am liebsten eine Verkehrswarnung herausbringen: Kühe auf der Landstraße - bitte vorsichtig fahren! Das ist an Harmlosigkeit kaum zu überbieten.

Brillanz, aber kein Mahler

Kirill Petrenko ist dann auf der Höhe seiner Kunst, wenn er die Emotionen eines Werkes auslotet, sie aber immer noch im Griff behält. Hier - und das ist bei ihm ein alter Fehler seit Jahrzehnten - verwechselt er Emotion mit Lautstärke. Sicher ist Mahler ein Komponist der Extreme, der auch Schockmomente setzt, wenn er die alten Werte hochhalten will, aber dann doch nur noch ein zynisches Lachen dafür aufbringen kann.

All das geht hier im virtuosen Getöse, im zirzensischen Gute-Laune-Radau unter. Klar können die Berliner Philharmoniker da mitgehen. Man hört eine Brillanz, um die sie viele andere Orchester beneiden müssen. Aber an Mahler geht das alles ziemlich vorbei.

Andreas Göbel, rbbKultur

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