Klaus Mäkelä © Marco Borggreve
Marco Borggreve
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Philharmonie Berlin - Eröffnungskonzert: Musikfest Berlin

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Mit seinen gerade einmal 26 Jahren ist der Finne Klaus Mäkelä ein absoluter Shooting Star des Klassikbetriebs. In fünf Jahren wird er Chefdirigent des Concertgebouw Orchesters Amsterdam. Und weil das noch ziemlich lange hin ist, hat ihn Orchester bereits jetzt zum künstlerischen Partner ernannt.

Das ist eine absolute Wunschkonstellation. Das Orchester hat das entsprechend demonstriert, indem es dem Dirigenten sogar zweimal den alleinigen Beifall zukommen ließ. Das hat es lange nicht mehr gegeben. Man will nicht nur zusammenarbeiten, sondern auch nach außen hin zeigen, wie glücklich man miteinander ist.

Ohrenschmaus mit Kalorienbombe

Am Beginn stand Musik der finnischen Komponistin Kaija Saariaho, die im Oktober siebzig Jahre alt wird. Ihr Orchester-Triptychon "Orion" ist nun auch schon zwei Jahrzehnte alt, da glitzert es, es flirrt, und manchmal ist das Orchester so massiv eingesetzt, dass es einer akustischen Kalorienbombe gleich kommt. Aber: warum das alles? Kaija Saariaho war einmal eine der originellsten und innovativsten Komponistinnen. Jetzt bedient sie eine freundliche Mainstream-Moderne, die niemandem wehtut, die in jedes Programm passt und die man schnell wieder vergessen könnte - wenn nicht das Orchester daraus einen Ohrenschmaus gemacht hätte.

Mahler-Tradition

Klaus Mäkelä und das Concertgebouw Orchester - da kommt einiges zusammen. Mäkelä bringt dem Orchester absolutes Vertrauen entgegen - mitunter dirigiert er gar nicht und überlässt dem Orchester selbst die Koordination. Das kann er aber auch nur - speziell bei Mahler - durch die jahrzehntealte Mahler-Tradition des Orchesters, lange bevor Mahler zum Standard fast aller großer Sinfonieorchester wurde.

Wenn es ein Stück für die Katastrophen aller Zeiten gibt, ist es die sechste Sinfonie von Gustav Mahler. Klaus Mäkelä weiß um die emotionale Dichte dieser Musik. Gleich bei den ersten marschartigen Tönen fühlt man sich am Hals gepackt. Aber es ist eine kontrollierte Tragik. Man landet nicht unmittelbar am Abgrund, sondern bekommt zwar die harte Wahrheit präsentiert - dies aber in der Absicht, sich dieser zu stellen.

SO geht Mahler

Der Vergleich ist da - auch zwei Tage vorher gab es Mahler, da mit den Berliner Philharmonikern unter Kirill Petrenko: da war auch viel los, es war sehr laut und sehr brillant, nur am Komponisten vorbeimusiziert. Jetzt mit dem Concertgebouw Orchester hatte es eine andere Art von Kontrolle, nicht so sehr von dem ausgehend, der am Pult stand, sondern im Orchester selbst, wo alle auf der Stuhlkante zu sitzen schienen. Das war eine Leidenschaft und Hingabe an die Musik, die man lange nicht mehr so intensiv gehört hat.

Eine der besten Mahler-Aufführungen der letzten Jahre, eine absolute Sternstunde. Und auf das Debüt von Klaus Mäkelä bei den Berliner Philharmonikern im kommenden April darf man sich jetzt schon freuen.

Andreas Göbel, rbbKultur

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