Julia Lezhneva; © Emil Matveev
Emil Matveev
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Philharmonie Berlin | Kammermusiksaal - Barocker Marathon: Julia Lezhneva und La Voce Strumentale

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In der Reihe "Originalklang" der Berliner Philharmoniker haben sich die Sopranistin Julia Lezhneva und das Ensemble La Voce Strumentale unter dem Geiger Dmitry Sinkovsky mit einem Feuerwerk aus barocken Opernarien und Konzerten präsentiert. Und dabei einiges an Durchhaltevermögen unter Beweis gestellt.

Eine Reise durch die Welt der Barockoper gab es zu erleben: Bekanntes von Händel oder Vivaldi oder noch zu Entdeckendes etwa von Carl Heinrich Graun. Darunter waren einige Kampfstücke voller halsbrecherischer Koloraturen. Manch andere Sopranistin wäre da blau angelaufen.

Vollblutsängerin

Julia Lezhneva begeistert nicht nur durch ihre makellose Technik, sondern sie hat verstanden, wie sie mit den barocken Affekten umzugehen hat. Ob Liebe, Wut, Verzweiflung, Hass oder Freude - alles zelebriert sie aufs Feinste. Da möchte man sie im einen Moment tröstend in den Arm nehmen, während sie eine Rachearie mit so eiskalter Stimme herausschleudert, dass man ihr am liebsten nicht nachts auf einer einsamen Landstraße begegnen möchte.

Ensemblevergnügen

Der Geiger Dmitri Sinkovsky und sein Ensemble La Voce Strumentale präsentieren sich denkbar unkonventionell. Ausdruck ist alles, Schönklang nur eine von vielen Möglichkeiten. Dmitri Sinkovsky dirigiert in einer Mischung aus Hüftschwung und Kniebeugen - da werden die Töne gefetzt, da knarzt und knackt es. Da ist nichts weichgekocht. Motto: Hauptsache Spaß haben.

Wenn in einer Vivaldi-Arie der Lautenist Luca Pianca wie in einer venezianischen Bar begleitet und irgendwoher noch eine zweite Stimme als Echo erscheint - kommt das von Dmitri Sinkovsky. Er ist auch ausgebildeter Contertenor - ein toller Effekt.

Acht Zugaben

Weil das Publikum erwartungsgemäß jubelt und stehende Ovationen spendet, geben Julia Lezhneva Zugabe auf Zugabe. Insgesamt acht werden es am Ende, darunter gleich drei Duette mit Sinkovsky. Besonders rührend: "Pur te miro" aus der "Krönung der Poppea", das alles mit Lust, Innigkeit, Tiefe und ein klein wenig Ironie.

Eine ganze Stunde dauert allein der Zugabenteil. Aber wer wollte angesichts dieser Meisterleistung aller schon gehen?! Inspiration, Witz und Humor sorgen für weit über drei Sternstunden.

Andreas Göbel, rbbKultur

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