Donald Runnicles © Simon Pauly
Simon Pauly
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Deutsche Oper Berlin - Das Orchester der Deutschen Oper Berlin unter Donald Runnicles

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Wenn Opernorchester Sinfoniekonzerte geben, sind das Visitenkarten. Wo steht das Orchester klanglich? Auf welchem Niveau befindet sich das Herzstück eines jeden Opernhauses? Alle drei großen Berliner Opernorchester spielen Sinfoniekonzerte, das Orchester der Deutschen Oper Berlin allerdings deutlich seltener als die anderen beiden. Ein Grund, mal hinzuhören.

Wer die "Fidelio"-Premiere vor zwei Wochen gehört hatte, musste feststellen, dass die Orchesterleistung wenig Grund zur Freude gab. Jetzt, in Ludwig van Beethovens zweiter Sinfonie, präsentierte sich das Orchester der Deutschen Oper Berlin etwas sicherer. So manches missglückte auch hier, aber man kam ohne große Probleme durch. Warum aber diese Lustlosigkeit? Kein hörbarer Interpretationsansatz von GMD Donald Runnicles, alles plätscherte vor sich hin. Selten hat man sich bei Beethoven mehr gelangweilt.

Retter des Abends

Die derzeitige Krankheitswelle macht auch vor der Deutschen Oper Berlin nicht halt. Ensemblemitglied Thomas Lehman, der den Baritonpart in Alexander Zemlinskys Lyrischer Sinfonie übernommen hatte, musste kurzfristig nach der Generalprobe passen. Für ihr war Adrian Eröd von der Wiener Staatsoper angereist - wie zu hören war, eine Stunde vor Konzertbeginn angekommen und ohne die Möglichkeit einer Probe. Adrian Eröd hat den Abend gerettet. Auch er war hörbar angeschlagen, kämpfte mit kratziger Stimme. Aber er kennt das Stück, überzeugte mit grandioser Textverständlichkeit und analytischer Schärfe.

Flurina Stucki, Mitglied im Ensemble der Deutschen Oper, verfügt über eine eher kleine Stimme, aber sie gestaltet hochkonzentriert mit angenehm warmer Stimme und sehr überlegt. Beide waren der Lichtblick des Abends.

Sorgen um das Orchester

Und das Orchester? Zemlinsky bietet einen orchestralen Klangrausch, es funkelt und glitzert überall - nur hier leider überhaupt nicht. Es klingt flächig und pauschal. Donald Runnicles dreht auf, begräbt die Singstimmen oft unter den Klangmassen. Die leiseren Stellen entbehren jeder Farbzeichnung, das ist alles grau in grau. Es klang wie eine lästige Pflichtübung, die man hinter sich bringen muss.

Bereits seit Jahren fehlt es dem Orchester der Deutschen Oper an klanglicher Erziehung, Formung, Gestaltung. Was ein Generalmusikdirektor zu leisten hätte - am Charakter, an der Qualität des Orchesters zu arbeiten, scheint unter Donald Runnicles nur sehr unzureichend stattzufinden. Von den großen Jahren des Orchesters - etwa unter Maazel oder Thielemann - ist man meilenweit entfernt. Man muss sich Sorgen machen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Andreas Göbel, rbbKultur

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