Khatia Buniatishvili © Gavin Evans
Gavin Evans
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Philharmonie Berlin - Orchestre de la Suisse Romande mit Khatia Buniatishvili

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Orchestergastspiele sind wichtig, und es gibt in Berlin viel zu wenige. Das Orchestre de la Suisse Romande zeigte allerdings, dass sich die hiesige Orchesterlandschaft davor nicht fürchten muss. Und die Solistin Khatia Buniatishvili sorgte für eine der zweifelhaftesten Stunden in der Berliner Philharmonie seit langem.

Das erste Klavierkonzert von Peter Tschaikowsky – einer DER Klassiker. Wer diesem Werk noch etwas Neues abgewinnen kann, darf sich originell nennen – eigentlich. Khatia Buniatishvili, mit einer grandiosen Technik gesegnet, donnerte Akkorde betonhaft in die Tasten, spielte so schnell, dass sie mühelos die Schallmauer durchbrach, oder versäuselte leise Stellen geradezu nebelhaft.

Eine Karikatur

Sicher, Tschaikowsky versinkt in manchen Interpretationen oft allzu sehr in Schönklang. Wenn allerdings statt Melodik und Brillanz Brutalität, Hektik und Konturenlosigkeit dominieren, entsteht eine grell verzerrte Karikatur des Werkes, und das führt nicht zu mehr Emotionen, sondern lässt einfach nur kalt. Das war, man muss es leider sagen, die schrecklichste Aufführung dieses Konzerts seit langem.

Die Kunst der Begleitung

Wie sollte Jonathan Nott mit dem Orchestre de la Suisse Romande das begleiten? Ratlos schien der Dirigent zur Solistin zu blicken, wenn sie wieder einmal ohne Ankündigung auf den Tasten davonrannte. Dass man gemeinsam am Schluss ankam, ist immerhin schon mal ein Verdienst von Orchester und Dirigent.

Fortsetzung in vier Zugaben

Die Fans der Pianistin waren gekommen – und forderten Zugabe um Zugabe. Vier wurden es, und nach einer kaum wiederzuerkennenden Marcello/Bach-Bearbeitung, Liszt und Prokofjew, mit denen sie den Flügel holzfällerartig fast in seine Einzelteile zerlegte, brachte ein kleines Chopin-Prélude immerhin einen Lichtblick mit einer Intensität, die nicht nur an der Oberfläche kratzte. Khatia Buniatishvili hat sich hoffnungslos in Extreme verrannt – keine gute Entwicklung.

Orchesterkultur bei Beethoven

Jonathan Nott hat als Chefdirigent des Orchestre de la Suisse Romande einen zuverlässigen Klangkörper geformt, der detailverliebt und kultiviert arbeitet. In Beethovens „Eroica“ dominiert eine gewisse Duftigkeit, liebevoll werden einzelne Stellen ausgeleuchtet. Die Orchesterkultur funktioniert.

Ideenwerk ohne Botschaft

Nun ist aber diese "Eroica" nicht irgendeine Sinfonie. Themen wie Aufklärung, Freiheit, Menschlichkeit, die Ideale der Französischen Revolution bilden Aspekte eines philosophisch-politischen Gedankengerüsts, das Beethoven seiner Musik zugrunde legt. Dafür war das alles aber zu brav musiziert. In den ersten beiden Sätzen fanden sich ansprechende Details – eine Aussage, eine Botschaft fehlte jedoch. Erst im Scherzo und im Finale gab es einen Sog, einen Spannungsbogen, ein wirkliches Wollen. Da hat Jonathan Nott sein Orchester gewissermaßen abheben lassen und nicht im Klein-Klein erstickt. Immerhin ein versöhnlicher Abschluss.

Andreas Göbel, rbbKultur

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