Franz Schubert: Sinfonien 1+ 6 © Pentatone
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Alte Musik - Franz Schubert: Sinfonien 1+ 6

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René Jacobs einen Zyklus mit Schubert-Sinfonien begonnen. Das ist ungewöhnlich, da sich der Dirigent bislang auf CDs nie über Mozart hinausgewagt hat. Aufregend?

Wenn sich ein Mann wie René Jacobs einem neuen Repertoirefeld zuwendet wie hier den Sinfonien von Franz Schubert, ist mit Neuigkeiten zu rechnen. Seine überragende Stellung innerhalb der Mozart-Deutung etwa verdankte er der Tatsache, dass er die Gewichtung zwischen Arien und Rezitativen gleichsam umdrehte – und eine neue Energie in den Bühnenwerken entdeckte. Schuberts Sinfonien deutet Jacobs als "Opern der Instrumente" – gemäß einer zeitgenössischen Sichtweise (vermutlich von E.T.A. Hoffmann), wonach sozusagen der Siegeszug der Oper auf die Gattung der Symphonie insgesamt abgefärbt hätte. Auch Mozarts eigene Sinfonien hatte Jacobs schon in ähnlichem Sinne dirigiert. (Vielleicht auch, weil er als Theatermann gar nicht anders kann?) Diesmal macht’s wirklich Sinn!

Der Dirigent René Jacobs im Haus des Rundfunks; Foto: Carsten Kampf
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Durchaus revolutionär

Alles legatoselig Ausgeglichene, teleologisch Zielgerichtete und Großformatige ist wie weggeblasen. Schuberts Erste und Sechste klingen nach Vorstadttheater (wo sie insofern auch hingehören, als Schubert mit seinen Opern niemals übers Wiener Theater am Kärntnertor hinaus in die Innere Stadt vorgedrungen ist). Burleske, sogar hanswursthafte Aspekte feiern hier derbe Triumphe. Handgebeizter, bretterbudenhafter hat Schubert in seinen Sinfonien nie geklungen. Gewiss bringt das B’Rock Orchestra (gegründet 2005 in Gent) nicht die Geschmeidigkeit eines Freiburger Barockorchesters mit. Das impulshafte, kurzkurvig derbe und theatralische Schubert-Bild aber darf – trotz Vorgängern wie Minkowski, Immerseel und Roy Goodman – als durchaus revolutionär gelten.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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