CD Cover: Chiaroscuro Quartett
Bild: BIS/2017

Streichquartett - Franz Schubert: Streichquartette Nr. 9 g-Moll und Nr. 14 d-Moll

Bewertung:

Das "Chiaroscuro Quartet" präsentiert die beiden Schubert-Quartette als ambivalente Bildwelten voll suggestiver Kraft und Disparatheit. 

Das in London ansässige, 2005 gegründete "Chiaroscuro Quartet" mit der prominenten Alina Ibragimova an der 1. Geige gehört zu den ganz wenigen Formationen seiner Art, die nicht nur auf historischen Instrumenten und mit alten Bögen, sondern tatsächlich auch auf Darmsaiten spielen.

Das hat vorher, weil es aller Bequemlichkeit einen Strich durch die Rechnung macht, eigentlich nur das Quatuor Mosaique getan (das aus dem Concentus Musicus Wien hervorging, aber über die Wiener Szene nie recht hinauswuchs). Sowie das britische Eroica Quartet (das aber nur projektweise zusammentritt).

Und das, obwohl viele Ensembles sich auf ihre historische Informiertheit, wenn auch mit offenbar inkonsequenten Mitteln, viel zugute halten.

Schroff und ungehobelt im Ton

Die beiden Schubert-Quartette, die das Chiaroscuro Quartett präsentieren, sind nicht nur schroffer und ungehobelter im Ton. Die Farben sind fahler, der Ton splissiger und die Atmosphäre frappierend schauerromantischer als man dies je erwartet hätte. Tatsächlich wird plötzlich der Abstand zwischen Beethoven und Schubert deutlich.

Wir verlassen die idealistische Welt klassischer (oder utopischer) Ausgeglichenheit. Und entern ambivalente Bildwelten von suggestiver Kraft und Disparatheit. Alles bleibt volksliedhaft schlicht und erdig (statt unversalistisch vorwärtsdrängend). Lyrisch gedrungen und konkret. Erstaunlich!

Herzlich willkommen!

Noch viel erstaunlicher, dass es so lange gebraucht hat, damit dieser Vorstoß einmal unternommen wurde. (Obwohl wir nicht unterschlagen wollen, dass eine einzige Vergleichseinspielung des Quatuor Mosaiques vor zehn Jahren entstand.) Herzlich willkommen!

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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