"Francois Adrien Boieldieu: Klavierkonzert D-Dur"; Montage rbb
Bild: Radiotelevisione svizzera

Ouvertüren und Klavierkonzert F-Dur - Francois-Adrien Boieldieu

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Vom französischen Komponisten Francois-Adrien Boieldieu kennt man heute eigentlich nur noch des Harfenkonzert und seine Oper "Die weiße Dame". Jetzt ist beim Label cpo eine CD mit Opernouvertüren und seinem einzigen Klavierkonzert erschienen.  

Boieldieu gilt heute als Vater der modernen französischen komischen Oper, der als einer der Ersten den Bruch mit dem  18. Jahrhundert gewagt hat. Seine Musik besitzt zwar noch einen Hauch von diesem Rokkoko-Flair eines Gretry, doch das ist bei ihm schon ironisch-augenzwinkernd gemeint. Boieldieu erfindet schöne lyrische Melodien, oder auch sehr kesse, hüpfende Rhythmen, die schon in Richtung Rossini/Auber weisen.

Der typische französische Esprit, der dann seine höchste Vollendung bei Offenbach erreicht, der hat hier seine Wurzeln. Allerdings war Boieldieu nicht besonders innovativ auf harmonischem Gebiet, und vielleicht hat man seine Rolle deswegen auch ein bißchen unterschätzt.

Die ausgewählten Ouvertüren zeugen nicht nur von Boieldieus kompositorischen Können, sondern auch von seiner Fähigkeit, mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten – zwei der Ouvertüren sind in Kooperation entstanden, die zu Emma zusammen mit Cherubini, die zur Weißen Dame zusammen mit dem jungen Adolphe Adam. Aber auch die Einzelstücke sind sehr unterschiedlich gebaut, mal in Sonatenhauptsatzform, mal im abgewandelten französischen Ouvertürentypus, und bis auf die zu "Ma Tante Aurore" sind es echte Meisterstücke, die als Eröffnungstücke jedem Konzertabend Ehre machen würden, schlank, elegant, geistreich.

Läßliches Konzert, sensationelle Ouvertüren

Was man vom Klavierkonzert nicht unbedingt sagen kann. Dieses Jugendwerk fällt für mich etwas ab, der erste Satz klingt noch sehr nach Paisiello, und hat kaum stilistisch Eigenständiges zu bieten. Es gibt keinen typischen Schluss-Satz. Das Stück besteht nur aus zwei Sätzen, der zweite ist ein ausgedehnter Variationssatz und bringt zwar melodisches Material, das schon spätere Boieldieu-Melodien vorwegnimmt, insgesamt bleibt es für mich aber trotz handwerklicher Souveränität und unaufdringlicher Virtuosität eher ein blasses Werk, anders etwa als die vor ein paar Jahren erschienenen Klavierkonzerte von Boieldieus Kollegen Herold. Allerdings, das muß man einräumen, wird das Stück von Natascha Veljkovic mit lässiger Eleganz würdevoll präsentiert.

Griffiths' Sternstunde

Doch eigentlich ist die CD die Sternstunde des Dirigenten Howard Griffiths. Er schafft es, mit dem Orchestra della Svizzera italiana Boieldieu als Meister an der Bruchstelle zweier Traditionen zu zeigen. Hin und hergerissen zwischen vertrauten Bahnen des 18. Jahrhunderts und der romantischen Neuorientierung im frühen 19., klingt er hier mal nicht wie schlechter Auber oder früher Offenbach, sondern wie ein Suchender mit frischen Ideen. Und das erreicht Griffith vor allem dadurch, dass er große Spannungen aufbaut, geschult an der sonatenhauptsatzveliebten Klassik eines Haydn oder Mozart.

Nach diesen Ouvertüren von einstigen Kassenschlagern wie „Le Calife in Bagdad“ oder „Jean de Paris“ bekommt man unbedingt Lust, die Opern einmal in kritischer Edition komplett zu hören...

Matthias Käther, kulturradio

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