Mendelssohn-Britten: violin concertos
Bild: RCA/Read Seal

Orchester - Felix Mendelssohn Bartholdy | Benjamin Britten: Violinkonzerte

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Die Violinkonzerte von Mendelssohn und Britten hat bislang noch kein Geiger auf einer CD kombiniert. Abgerundet wird das Album mit der Sérénade mélancolique von Peter Tschaikowsky.

Sebastian Bohren legt Wert auf besondere Kombinationen. Für sein erstes Album mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra wollte er, aus der deutschen Tradition kommend, das e-Moll-Konzert von Mendelssohn spielen und dazu ein englisches Konzert aus dem 20. Jahrhundert: Benjamin Britten.

Beide Komponisten waren Ende 20, als sie die ersten Ideen zu den Konzerten hatten, beide haben für Freunde komponiert – Mendelssohn für Ferdinand David, Britten für den Spanier Antonio Brosa. Beide Konzerte sind lyrisch-virtuos gehalten und die Konzertform ist ungewöhnlich gestaltet.

Mäßiges Feuer bei Mendelssohn

Bei Mendelssohn finden der Schweizer und die Liverpooler allerdings noch nicht zu einer gemeinsamen Sprache. Sie spielen ruhig, fast zu ruhig: Mendelssohns ständige Unrast fehlt. Bohren spielt kultiviert, hat einen feinen, nicht zu süßen Ton, artikuliert sprechend. Das Orchester begleitet zu wenig differenziert. Bohrens eher klassisch angelegtes Solo wird auf romantischer Sauce serviert.

Britten aus einem Guss

Ganz anders das Klangbild bei Britten: Orchester und Solist haben eine gemeinsame und klare Vorstellung. Sie spielen markiert, farbenreich, der Solist kann seine ganze Ausdruckspalette nutzen. Britten sagte damals über sein Violinkonzert: "So far it is without question my best piece. It is rather serious, I'm afraid – but it's got some tunes in it!" Ernsthaftigkeit und melodische Kraft kommen sehr gut heraus in dieser Aufnahme.

Liebe und Krieg sind der Hintergrund dieses Werkes und zu allem hat Sebastian Bohren etwas zu sagen. Er ist ungefähr im selben Alter wie Britten damals! Er macht aus dem Konzert kein Schaustück, sondern nimmt die Extreme im Ausdruck ernst. Eines der großen Violinkonzerte des 20. Jahrhunderts erfährt eine gültige Interpretation.

Romantische Zugabe

Peter Tschaikowskys Sérénade mélancolique – eine Fingerübung zum Violinkonzert – rundet das Album romantisch ab. Hier treffen sich Sebastian Bohren und das Royal Liverpool Orchestra im romantischen Ton und finden auch den Frieden, den uns Britten am Ende seines Konzerts nicht finden lässt.

Christian Schruff, kulturradio

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