Claudio Monteverdi: Il ritorno d'Ulisse in patria; Montage: rbb
Bild: Soli Deo Gloria

Oper - Claudio Monteverdi: "Il ritorno d'Ulisse in patria"

Bewertung:

Eine neue Gesamtaufnahme der Oper "Il ritorno d’Ulisse in patria" dirigiert John Eliot Gardiner. Bietet sie die Qualität früherer Monteverdi-Interpretationen des britischen Dirigenten?

Obwohl John Eliot Gardiner durch seine legendären Aufnahmen des "Orfeo" und der "Marienvesper" zurecht als ein Monteverdi-Großmeister der Neunzigerjahre gilt, drang er bis zum "Ulisse", also bis zum Mittelstück der Opern-Trilogie des frühbarocken Meisters, nie vor. Erst vor zwei Jahren, zum 450. Geburtstag des Komponisten, realisierte er innerhalb des Gesamtzyklus', der weltweit auf Tournee ging, auch den "Ulisse" – sogar live in Berlin. Ein Highlight, was Besucher damaliger Aufführungen nicht bestreiten werden.

Veränderte Situation

Seit den Neunzigerjahren hat sich weniger in der Ästhetik Gardiners als in seiner Besetzungspolitik etwas geändert. Wie die meisten Dirigenten der historischen Aufführungspraxis scheint auch er mit dem Spitzenfeld des Sängermarktes kaum noch kompatibel. Während er in den Neunzigerjahren noch selbstverständlich große Sänger wie Anne-Sofie von Otter, Sylvia McNair und Bryn Terfel zur Verfügung hatte, können heute nicht mehr alle seiner Protagonisten, die zugleich den Monteverdi Choir bilden, mit früheren Zeiten konkurrieren.

Dennoch gelingt es Gardiner auch hier, zumindest mit Lucile Richardot als Penelope eine Sängerin berühmt zu machen, die seither – dank eines ungewöhnlich androgynen, milchschokoladigen Timbres – höchst erfolgreich ihre Solo-Karriere vorantreibt.

Überragend gut

Das Klangbild der English Baroque Soloists ist, typisch für Gardiner, sehr konsonant, warm durchblutet und durchpulst. Das Werk macht einen "symphonischeren" Eindruck als in den großen Konkurrenzaufnahmen (von René Jacobs und Gabriel Garrido).

Der Sänger der Hauptpartie, Furio Zanasi, kommt mir etwas zu knattrig vor (außerdem hat er die Rolle, in jüngeren Jahren, auch schon für Garrido aufgenommen). Die burlesken Szenen (mit Robert Burt als Schmarotzer Iro) wurden nie drastischer interpretiert.

Die Aufnahme mag sich nicht bruchlos in frühere Monteverdi-Erkundungen Gardiners einfügen (was angesichts der verflossenen Zeit auch zu viel verlangt wäre). Überragend gut gelungen ist sie dennoch.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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