Hector Berlioz: The Complete Works
Bild: Warner Classics

Solist - Hector Berlioz – The Complete Works

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Zum 150. Todestag von Hector Berlioz (am 8. März) hat die Warner ihre gesammelten Katalog-Klassiker um ein Paar klitzekleine Weltersteinspielungen ergänzt (zwei Orgelfugen, eine orchestrierte Fassung des "Temple universel" mit Francoix-Xavier Roth sowie die Romanze "Le Dépit de la bergère" mit Elsa Dreisig).

Herausgekommen ist die erste Gesamteinspielung der Werke eines noch immer umstrittenen, weil oft pompösen Komponisten. Immerhin aber hat Berlioz – parallel zu Wagner – die sog. "Klangfarbe" erfunden und in die Musikgeschichte eingebracht.

Keine Streichquartette, Sonaten oder Kammermusik

Erst in der Gesamtschau merkt man, wie komplentär sich Berlioz zur deutschen (bzw. deutschsprachigen Romantik) verhält. Streichquartette, Sonaten oder Kammermusik – die großen Disziplinen Schuberts oder Schumanns – hat er gar nicht erst bedient. Das Klavier mied er fast konsequent– vermutlich deswegen, weil ihm der Vater ein Klavierstudium verboten hatte, damit er nicht vollständig auf musikalische Abwege gerate (stattdessen lernte Berlioz Flöte und Gesang).

Grob gesprochen, scheint Berlioz alles typisch Romantische aus der Gelehrten- oder Poetenstube herausgeführt zu haben. Romantische Schlüsselprobleme wie etwa die künstlerische Vereinzelung, Disparatheit und Zwiespalt wendet er ins Große, Repräsentative. Und zwar sozusagen 'ganz nach Pariser Art'.

Hector Berlioz: The complete Works
Bild: Warner Classics

Etliche Sakralwerke

Neben EMI-Katalog-Klassikern mit Janet Baker, Jean Martinon und Louis Frémaux finden sich in der Box etliche Sakralwerke in berühmten Aufnahmen mit John Eliot Gardiner sowie die drei Opern unter Leitung des amerikanischen Berlioz-Spezialisten John Nelson. Mit drin auch die neue "Troyens"-Gesamtaufnahme mit der überragenden Joyce DiDonato als Didon. (Ausgestochen werden diese Aufnahmen höchstens von den klassischen Pionier-Leistungen von Colin Davis, die bei Philips erhältlich sind).

Dass nicht alles pures Gold war, was Berlioz komponierte – so etwa der lächerlich überladene "Benvenuto Cellini" oder das schwächliche Requiem –, ist dem Experimentalcharakter dieses Komponisten geschuldet (den er hinter umso prunkvolleren Fassaden zu verstecken suchte). Eine überraschend singuläre Box von reichem Erkenntniswert.

Kai Lührs-Kaiser, kulturradio

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