Leipziger Disputation © Carus
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Alte Musik - "Leipziger Disputation"

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Calmus und amarcord erstmals vereint: Neueinspielung der Missa "Et ecce terrae motus" von Antoine Brumel anlässlich des 500. Jubiläums der Leipziger Disputation.

Vor 500 Jahren, im Sommer 1519, kam es in Leipzig zu einem rund dreiwöchigen Streitgespräch zwischen dem katholischen Theologen Johannes Eck und den Reformatoren Martin Luther, Andreas Karlstadt und Philipp Melanchthon. Dieser von der Universität organisierte Austausch von theologischen Argumenten ging als "Leipziger Disputation" in die Geschichte ein.

Anlässlich dieses Ereignisses führten die Thomaner unter Leitung von Thomaskantor Georg Rhau eine zwölfstimmige Messe auf, bei der es sich vermutlich um Antoine Brumels Missa "Et ecce terrae motus" handelte. Anlässlich dieses Jubiläums haben sich die Leipziger Vokalensembles Calmus und amarcord erstmals zu einem gemeinsamen Konzert- und CD-Projekt zusammengeschlossen.

Zwei Spitzenensembles

Beide Vokalensembles singen zu fünft: amarcord (gegründet 1991) ist rein männlich besetzt, bei Calmus (gegründet 1999) krönt die Sopranistin Anja Pöche die vier männlichen Unterstimmen. In den letzten beiden Jahrzehnten haben beide Vokalgruppierungen mit vielen Konzerten und CD-Produktionen ihr breites Repertoire nachgewiesen, das jeweils von mittelalterlichen Gesängen über Vokalpolyphonie der Renaissance bis hin zu zeitgenössischen Werken, Arrangements und Crossover-Projekten reicht.

Die Klangbilder der Ensembles sind grundsätzlich verschieden, wenn auch jeweils von höchster Qualität und unverwechselbar. Das wird in den kleiner besetzten Einzelwerken von Josquin, Stoltzer (Calmus) und Walter (amarcord) sehr eindrucksvoll nachgewiesen. Lässt sich daraus aber ein gemeinsames Ensemble formieren?

Projekt Brumel

Ergänzt zur Zwölferbesetzung durch zwei zusätzliche Sopranistinnen (Anna Kellnhofer und Isabel Schicketanz), gelingt den beiden Leipziger Spitzenensembles ein außerordentlich bemerkenswerter Spagat: In der komplizierten Faktur der Missa ist ein homogener Chor mit individuellen Stimmen zu hören. Das bedeutet, dass sich im Tutti aller zwölf Stimmen ein unglaublich warmer, intonationssicherer und mächtiger Vokalklang durchsetzt, während in den kontrapunktischen Strukturen immer wieder auch wechselnde Farben der einzelnen Vokalsolisten zu vernehmen sind. – Ein sinnliches, schwer zu übertreffendes Fest der Vokalmusik! 

Bernhard Schrammek, kulturradio

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