2 CD Cover Stanislaw Moniuszko
Bild: DUX, NIFCCD

Oper - Stanislaw Moniuszko: "Halka" und "Strazny Dwor"

Große Musik vom polnischen Nachbarn, das muß nicht immer nur Chopin sein. Es gibt ja auch noch den führenden polnischen Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts, Stanislaw Moniuszko. Jetzt erreichen uns gleich zwei Neuaufnahmen der Standardwerke Moniuszkos aus Polen: "Das Gespensterschloß" und "Halka".

Das Gespensterschloß (Straszny Dwor) ist die beliebteste nationale Oper der Polen, jeder Urlauber, der in den größeren polnischen Städten mal einen Blick auf den Opernspielplan geworfen hat, wird das bestätigen können.

Übrigens ist das kein Schauerstück, wie der Titel suggeriert, sondern eine romantisch-komische Oper, ein bißchen vergleichbar vielleicht mit Die lustigen Weiber von Windsor; auch hier wird gezeigt, wie listige Frauen Männer mithilfe eines manipulierten Spuks reformieren, und das Ganze ist musikalisch wirklich apart.

Die Neuaufnahme beim Label DUX ist keine Premiere für den westlichen Markt. Die EMI hat 2003 eine sehr schöne Warschauer Aufnahme herausgebracht, mit dickem Booklet inklusive dem gesamten Libretto in Deutsch. Und unbedingt erwähnenswert: Naxos hat letztes Jahr den Klassiker vorgelegt, die Posznan-Studio-Aufnahme von 1954, wunderbar restauriert (Naxos 8.111391). Der deutsche Moniuszko-Freund ist also schon vorher fündig geworden.

Diese neue Aufnahme ist ein Mitschnitt aus Danzig vom Mai 2018.

Kräftiger Schlag ins Wasser

Und schneidet aus zwei Gründen im Vergleich nicht so gut ab. Zunächst spielt das Orchester hier nicht grade delikat, es rasselt und prasselt zuweilen so, als hätten wir es mit einer zweitklassigen Operette zu tun; das Elegant-Mondäne, die vielen französischen und deutschen romantischen Anleihen, die stilistisch immer wieder aufblitzen, gehen in der doch sehr routinierten und effekthascherischen Spielweise unter.

Außerdem gibt’s hier eine starke Divergenz zwischen den Sängerinnen  und den Sängern – während die Damen durchaus zu Zwischentönen fähig sind, bleiben die Herren schmetternde Stentor-.Stimmen ohne viel Gespür für die Ironie und Feinheit der Musik. Der Tenor Pawel Skaluba dröhnt sich als Stefan durch das Werk, als hätte er sich aus einer Giordano-Oper in eine buffa verirrt, aber auch Baßbariton-Veteran Leszek Skrla schmettert die berühmteste Arie des Werks, Miecniks Mazurka, wie eine Art Kampfhymne in einem Fußballstadion. Muskelspiel statt federndem Witz – und damit ein kräftiger Schlag ins Wasser.

Bewertung: "Strazny Dwor (Das Gespensterschloß)" - KK

Polnische Nationaloper – auf italienisch!

Besser schlägt sich da die neue Halka. Fabio Biondi steht am Pult, und er dirigiert sein Ensemble Europa Galante.

Es gibt ein sehr spannendes jährliches Festival in Warschau, "Frederic Chopin und sein Europa"; der Akzent liegt auf „und sein Europa“. Biondi ist dort seit Jahren gern gesehener Gast, denn er hat immer ein Faible für schräge Versionen großer Opern gehabt. Diesmal hat er mich so frappiert, dass sogar ich als Opern-Rartitäten-Spezialist nicht sagen kann, was für eine sonderbare Fassung er hier vorlegt. Gesungen wird nämlich auf italienisch.

Die CD sieht super aus, im opulenten Booklet blättert sichs prächtig, und wenn jetzt noch  genau die Informationen drinstehen würden, die man sich nicht zusammengoogeln kann, wäre mein Glück vollkommen. Doch es schweigt sich zu dieser schrägen Fassung gründlich aus.

Soviel ist klar: Übersetzer Giuseppe Bonoldi, ein enger Freund Moniuszkos und auch einer der Sänger bei der Premiere von Halka, hat das italienische Libretto verfasst, ein Revolutionär, der später in den Kämpfen der Pariser Kommune starb. Einen Beleg, dafür dass diese Version jemals aufgeführt wurde, habe ich nicht gefunden. Mein Verdacht ist (Achtung, gefühltes Wissen!), dass Biondi dieses Libretto ausgegraben hat, weil er sich so als Italiener mit den Feinheiten des Werks besser auseinandersetzen konnte.

Glücksfall für die polnische Oper

Ich finde, das ist durchaus legitim, italienisch ist die Opernsprache schlechthin, und in diesem Fall zeigt die Aufnahme, wie nah Moniuszko stilistisch an seinen Zeitgenossen Donizetti und Verdi war, ohne eigene nationale Tendenzen aus den Augen zu verlieren. Und vielleicht hilft das Italienisch ja, dieses geniale polnische Werk über die Sprachhürden hinweg bekannter zu machen.

Ansonsten ist dies durchaus eine der wirklich gut gesungen Halkas der letzten Jahre – und die erste  auf historischen Instrumenten! Biondi exponiert hier genau das, was die vorige Aufnahme eben nicht zeigt – den guten, raffinierten Orchestrierer Moniuszko. Das exzellente Ensemble Europa Galante zur Verfügung zu haben für ein polnisches Hauptwerk des 19. Jahrhunderts – das muß man schlichtweg einfach als Glücksfall betrachten.

Bewertung: "Halka" - KKKK

Matthias Käther, kulturradio

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