Albert Roussel Edition
Bild: Erato (Warner)

Box-Set - Albert Roussel Edition

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Zum 150. Geburtstag des französischen Komponisten Albert Roussel hat die Firma Warner alles neu verpackt und neu verklappt, was sie im EMI-Katalog zu diesem Komponisten vorgefunden hat. Das ist in der Tat – mit Dirigenten wie Charles Munch, André Cluytens, Charles Dutoit und Michel Plasson – weit prominenter als dies jede andere Firma aufzubieten hätte.

 

Roussel war ein César Franck-Schüler der zweiten Generation (sein eigentlicher Lehrer war Vincent d’Indy, der Mitbegründer der Pariser Schola Cantorum). Er steht deutlich unter dem Einfluss eben jener wunderfeinen Klang-Paradigma, die man gemeinhin als impressionistisch bezeichnen würde. Jedoch so, dass irgendwie ein Strawinsky-Derwisch hineingefahren zu sein scheint (bzw. ein Ravel-Teufelchen). Roussels Werke, darunter vier Symphonien, ein Klavier- und ein Cellokonzert, sind sehr viel verzackter und rhythmisch ausfälliger als sonst üblich; womit er den Kontakt zu älteren, tanzbaren Formen der Musik sucht.

Prononcierter Ballett-Komponist

Ähnlich wie Strawinsky war Roussel ein prononcierter Ballett-Komponist, wovon sein Insektenballett "Das Festmahl der Spinne" ("Le festin de l’araignée") Zeugnis ablegt. Seine Indien-Oper "Padmâvatî" (hier mir Marilyn Horne) ist vertanztes Musiktheater von exotistischem Zuschnitt (über Witwenverbrennung!); der Sache nach fast wie im französischen Barock. Große Berühmtheit hat der Komponist trotz alldem in unseren Breiten nicht erreicht; obwohl er viel interessanter ist als Poulenc und Koechlin, um die viele weit mehr Wind und Gewese machen.

Ultimative Box

Einziges Manko der Box: ist die etwas zu kurz gekommene Kammermusik (Immerhin sind die 2. Violinsonate, das Streichtrio und Streichquartett mit drauf, wenn auch in weniger namhaften Besetzungen. Und ebenso eine repräsentative Lied-Auswahl mit José van Dam, Mady Mesplé u.a.). Im Ganzen staunt man, wie wichtig Roussel einst genommen – und wie renommiert er aufgenommen wurde. Damit ist dies die voraussichtlich ultimative Box über den französischen Eigenbrödler.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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