Artemis Quartet - Shostakovich
Bild: Erato

Kammermusik - Schostakowitsch: Klavierquintett und Streichquartette Nr. 5 & 7

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Zum ersten Mal in 30 Jahren hat das Artemis Quartett Musik von Dmitri Schostakowitsch aufgenommen – in einer Besetzung, die sich aber gerade vom Publikum verabschiedet.

Denn die Geigerin Anthea Kreston und der Cellist Eckart Runge werden das Ensemble im Mai verlassen. Hier spielen sie aber noch einmal mit dem Bratschisten Gregor Sigl und der Geigerin Vineta Sareika zusammen.

Geschenke

Da man in aller Freundschaft auseinandergeht, wird es im Mai auch noch einige Abschiedskonzerte in der bisherigen Besetzung geben. Die CD kann in dieser Hinsicht durchaus als Abschiedsgeschenk verstanden werden.

Premieren

Obwohl das Ensemble in diesem Jahr sein 30. Jubiläum feiert - gegründet 1989 in Lübeck, später mit Sitz in Berlin – haben die Musiker um den Cellisten Eckart Runge hier tatsächlich zum ersten Mal Musik von Dmitri Schostakowitsch aufgenommen. Die Werke umspannen einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten, mit dem Klavierquintett von 1940, dem Streichquartett Nr. 5 aus dem Jahr 1953 und dem Quartett Nr. 7, das 1960 seine Premiere in Moskau erlebte. Warum dieses herausragende Ensemble bei Schostakowitsch so lange gewartet hat, läßt sich kaum erklären, hat doch der "große Spannungsbogen zwischen rhythmisch-dynamischem Temperament und außergewöhnlich zarter Innigkeit" das Ensemble nach eigenem Bekenntnis schon immer "ganz besonders gereizt."

Gäste

Für das Klavierquintett hat man sich mit Elisabeth Leonskaja eine äußerst stilsichere Pianistin als Gastmusikerin eingeladen. Geboren 1945 in Tiflis, hat sie später in Moskau bei Swjatoslaw Richter studiert. Mit dieser künstlerischen Biografie ist sie für das Ensemble gerade bei diesem Repertoire eine hervorragende Partnerin. Darüberhinaus ist Leonskaja nach dem Tod des Artemis-Bratschisten Friedemann Weigle im Jahr 2015 auch eine Freundin des Ensembles geworden: sie hat bei den damaligen "In memoriam"-Konzerten mitgewirkt und fügt sich auch jetzt mit ihrem sensiblen Klavierton hervorragend in den besonderen Klang des Quartetts ein.

Wünsche

In den Programmen der Konzerte des "neuen" Artemis Quartetts, das nach der Sommerpause dann in der zukünftigen Besetzung mit der Cellistin Harriet Krijgh und der Geigerin Suyoen Kim auftreten wird, sucht man den Namen "Schostakowitsch" einstweilen noch vergeblich. Weder im Amsterdamer Concertgebouw, noch im Wiener Konzerthaus, und auch nicht im November in der Berliner Philharmonie, stehen Werke von Schostakowitsch auf dem Programm. Vielleicht wird sich das Ensemble aber von der eigenen CD inspirieren lassen und Schostakowitsch dann auch in der neuen Besetzung auf dem Podium präsentieren.

Hans Ackermann, kulturradio

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