Schostakowitsch: Under Stalin’s Shadow – Sinfonien Nr. 6 & 7
Bild: Deutsche Grammophon

Orchester - Dmitri Schostakowitsch: Symphonien Nr. 6 + 7

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Bei seinem Schostakowtisch-Zyklus bei der DG ist der Dirigent Andris Nelsons, zugleich seit fünf Jahren Chef des hier tätigen Boston Symphony Orchestra, beim vierten Teil angekommen – enthaltend zwei populäre Symphonien (die Nr. 6 und Nr. 7 "Leningrader") sowie die recht seltene Orchester-Suite aus der Filmmusik zu "King Lear".

Für Aufsehen hat der Zyklus längst gesorgt, da er Schostakowitsch einmal nicht als den politischen Schmerzensmann präsentiert, bei dem jeder Ton Totenklage ist. Viel bringt Nelsons den Komponisten durch einen weicheren, temperiert menschenfreundlichen Ton eben nicht als das ewige Opfer des Stalinisms ins Spiel, sondern als dessen "Survivor"; der er ja auch in gewissem Sinne war. Als Stehaufmännchen des Stalinismus.

Klischee-Titel

So radikal (und teilweise auch neu) dieser Ansatz sein mag, so wenig passt er zu dem von der Deutschen Grammophon angesetzten Obertitel "Under Stalin’s Shadow". Es ist im Gegenteil blamabel, dass man sich immer noch nicht von diesem Klischee-Titel getrennt hat. Außerdem bleibt zu fragen, ob ein klanglich dermaßen 'rundgelutschter' Schostakowitsch dem Komponisten nicht jeden politischen Stachel zieht.

Nelsons Orchester, kein Zweifel, ist prächtig aufgestellt. Doch gerade das Stil-Kennzeichen des Dirigenten, nämlich Elan, leidet unter der Last karrieristischer Überbeanspruchung doch ganz erheblich. Bei den oft langsamen, langen Satz-Schlüssen droht der Hörer einzuschlafen. Hinter den vorzüglichen Schostakowitsch-Ergebnissen von Nelsons’ Lehrer, Mariss Jansons, bleiben die Ergebnisse zurück.

Kai Luehrs-Kaiser, kulturradio

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