Franz Schubert: "Lieder Ohnegleichen"
Bild: Spektral

Gesang - Franz Schubert: "Lieder Ohnegleichen"

Bewertung:

Manchmal trifft einem eine Stimme mitten ins Herz, rührt eine ganz besondere Stelle an. Daniel Johannsen ist nicht nur ein sehr vielseitiger, farbenreicher, perfekt artikulierender Sänger.

 

Johannsen lässt uns an den in den Liedern ausgedrückten Stimmungen und Visionen unmittelbar teilhaben, weil er so wahrhaftig singt. Dabei vermeidet er auch das andere Extrem, Gefühligkeit.

Der Titel der CD, "Lieder ohne Gleichen", bezieht sich natürlich auf die herrlichen Vertonungen von Schubert. Sehr häufig sind es von der Natur ausgelöste Stimmungen, insbesondere bei Nacht und mit dem Mond als stillen Gefährten. Aber auch die Lebenslust des Frühlings und der freien Natur kommen zum Ausdruck. Auf einer tieferen Ebene ist das Thema die Einsamkeit des Komponisten, die Frage nach dem Jenseits, das sich in der Natur vielleicht beantwortet finden könnte.

 

Sensible Spielart

"Ohne Gleichen" bezieht sich aber auch auf die besondere Art der Aufnahme. Der Pianist Christoph Hammer spielt auf einem originalen Hammerklavier von Conrad Graf aus dem Jahr 1827. Wie Schubert und sein Starsänger Michael Vogl sitzen Sänger und Pianist nebeneinander. So entsteht eine innige Situation, wie sie wohl auch diejenige von Schubert und seinen Freunden war. Das strahlt auf die Interpretationen aus. Die sehr sensible Spielart Hammers macht das Hammerklaver zu einer Art Seelenschwingung, von zart bis stürmisch herbstlich. Denn letztlich holten Schubert Verzweiflung und Einsamkeit immer wieder ein.

Eine sehr berührende, wirklich "ohne Gleichen" Aufnahme!

Clemens Goldberg, kulturradio

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