"Something in Between" Trio Zadig
Bild: Fuga Libera

Kammermusik - "Something in Between" Trio Zadig

Bewertung:

Das CD-Debüt eines jungen, bereits mit elf internationalen Preisen ausgezeichneten französischen Klaviertrios verbeugt sich vor seinem Förderer Menahem Pressler und sucht neue Wege abseits der Klassik oder auch zwischen den Stilen.

 

"Irgendwas dazwischen" verspricht der Titel des Trio Zadig und legt sich damit überhaupt nicht fest, welche Musik den Hörer erwartet. Leonard Bernstein und Maurice Ravel, die beiden Hauptkomponisten der CD haben auch nicht viel gemeinsam. Beide hatten ihre Ohren jedoch auch außerhalb der akademischen Klassik. Bernsteins Candide-Ouvertüre und seine Suite aus der "West Side Story" sind von dem Komponisten Bruno Fontaine sehr farbenreich und effektvoll für Klaviertrio übertragen worden. Das Trio Zadig zeigt sich hier von seiner impulsiven und geradezu kraftstrotzenden Seite. Schnelle Tempi sind ihm ein willkommener Vorwand, die eigene Brillanz zu demonstrieren. Der Schmelz von liebestrunkenen Arien ist nicht ganz so seine Sache.

Gekonnt scharfe Akzente

Das Trio besteht aus zwei französischen Schulfreunden an Geige und Cello und einem amerikanischen Pianisten. Das Thema Freundschaft ist zentral für seinen Zusammenhalt und die gemeinsame Musizierhaltung. Auch die Freundschaft zu dem Komponisten Benjamin Attahir hat das Trio zusammengeschweißt, so entstand das Stück "Asfar" in enger Zusammenarbeit.

Es ist ein sehr deskriptives und emotionales Stück, das fast wie ein Roman die Reise eines arabischen Flüchtlings beschreibt. Klänge der Verlorenheit, Desorientierung und Aggression macht das Trio Zadig zu einer schon fast körperlichen Erfahrung. Das abschließende Klaviertrio von Ravel bietet so etwas wie Versöhnung in der Kunst. Die Interpretation wurde gemeinsam mit Menahem Pressler erarbeitet und durchleuchtet die feinen Gespinste von Ravel mit gekonnt scharfen Akzenten. Das Trio Zadig gibt damit ein Debüt nicht irgendwo "dazwischen" sondern ganz an der Spitze der jungen Klaviertrios.

Dirk Hühner, kulturradio

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