Daniel-Francois-Esprit Auber: La Sirene
Bild: Naxos

Komische Opern - Daniel-Francois-Esprit Auber: "La Sirène" (Die Sirene)

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Das Jacques-Offenbach-Jahr 2019 hat auch wieder die Aufmerksamkeit auf eines seiner großen Vorbilder und Vorläufer gelenkt, auf Daniel-Francois-Esprit Auber. Jetzt ist eine seiner völlig vergessenen komischen Opern auf CD bei Naxos erschienen, La Sirène (Die Sirene).

Das Tolle an dem Werk: Das ist eine unglaublich lustige Geschichte, fast monty-pythonhaft.   Scribe, der legendäre Librettist, hat die Legende der Sirenen in seine Gegenwart (1844) verlegt, das Ganze spielt in den italienschen Bergen nahe Neapel, und die Sirene ist eine Sängerin, die mit ihrer schönen Stimme Reisende vom Weg lockt, damit ihr Bruder, ein Räuberhauptmann, sie ausrauben kann.

Auch ein Talentesucher verirrt sich dorthin, der braucht einen neuen Opernstar. Es werden aber auch diverse Individuen angezogen, die endlich diese Bande zur Strecke bringen wollen. Einer der Höhepunkte ist, dass diese Bande so tut, als wäre sie eine Operntruppe, die ein Stück probt, in dem Banditen vorkommen. Das ist ein Twist, den es selten so absurd auf der Bühne gibt: Sänger in Kostümen von Banditen spielen Banditen, die Banditen in Opernkostümen spielen. Heine, der das Stück gesehen hat, war ziemlich amüsiert. Wen wunderts.

Er war nicht allein. Das Stück war ein unglaublicher Publikumshit, die Premiere in Paris zog viele Auslandsproduktionen nach sich, und dem Vernehmen nach soll die Sirene zu Lortzings Lieblingsopern gezählt haben. Und sie lebt denn auch von den vielen komischen Ensembles, die hier oft zusammen geballt sind in riesigen Monsternummern. Auber gelingen hin und wieder musikalisch sehr schöne Kabinettstückchen, die durchaus mit Offenbach auf Augenhöhe sind.

Mit Sutherland wärs ein Hit geworden

Und doch hat man das alles schon mal irgendwo gehört. Der Fall ist allerdings nicht justiziabel, denn Auber hat sich selbst beklaut.

Dies war schon der 2. Versuch, an den Erfolg seiner Räuberoper Fra Diavolo anzuknüpfen. Die Leute waren verrückt nach Fra Diavolo, und deswegen hat das Team Auber/Scribe diese Geschichte immer wieder aufgewärmt. Für mich wirkte vieles hier – trotz einiger schöner Momente - im Ganzen abgenutzt, und irgendwie nervt sie auch spätestens nach Track 9, diese hastig hüpfende, ruhelose Musik, die nie zum Stillstand kommt und fast ohne lyrische Momente bleibt.

Vielleicht wäre das Werk besser dran mit großen Stars. Hätte Bonynge das 1980 mit Sutherland und Vanzo aufgenommen, wär die Platte heute vielleicht ein Hit. Eine Sirene, die Wanderer vom Weg lockt, muß auch betörend klingen, und Auber hat hier beileibe nicht die beste, aber doch die anspruchsvollste Sopranpartie seines Lebens geschrieben, in der es nur so wimmelt von Hohen D's. Und hier reicht eben nicht nur eine gute Sängerin. Es muss halt eine Sirene sein, wie der Titel suggeriert. Jeanne Crousaud ist wirklich gut, aber nicht gut genug für den Glamour, den die Schwarte braucht. Die Tenöre Xavier Flabat und Jean Noel Teyssier starten gut in den Abend, doch spätenstens im Dritten Akt hinterlassen die vielen hohen Noten hörbare Spuren bei ihnen. So bleibt das Ganze bestenfalls eine Art dokumentarischer Querschnitt einer Rarität.

Denn in der Produktion aus Compiegne, die der Aufnahme zugrundeliegt, wurden schon mal drei Nummern gestrichen (vielleicht hätten gerade die etwas Ruhe in das übernervöse Stück gebracht?) und das zweite Finale gekürzt, für die CD wurden dann auch noch alle Dialoge über Bord geworfen, so dass das Werk auf eine CD passt und nur noch 70 Minuten lang ist.

Das freche Orchester unter David Reiland agiert übrigens durchgehend exzellent und wird seinem schönen Namen sehr gerecht.

Matthias Käther, rbbKultur

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