Brahms, Rundfunkchor Berlin, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Gijs Leenaars
Bild: Sony Classical

Vokalmusik - Brahms

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Seit vier Jahren leitet der Niederländer Gijs Leenaars den Rundfunkchor Berlin – und vor einer Woche wurde bekanntgegeben, dass man seinen Vertrag verlängert hat. Bis 2025 wird er also weitermachen. Und das ist gut so.

Das Schicksalslied von Johannes Brahms nach dem Text von Friedrich Hölderlin hat es in sich! Es steckt voller Melancholie. Die schimmert im Text durch -  und auch in der Musik von Brahms, die zwischen Erlösung und Schwermut hin- und herpendelt. Es ist faszinierend, wie Gijs Leenaars diesem Gestus nachspürt, er ist ein absoluter Klangzauberer, der von ihm evozierte Chorklang kann tatsächlich zu Tränen rühren!

Sehr sinnlich

Das Klangbild ist absolut homogen, da fällt keine Stimme heraus. Die Frauenstimmen sind nicht ganz strahlend, ein wenig gedämpft, sphärisch, die Männerstimmen auch sehr klar, aber doch mit viel profunder Substanz - ein schlanker, transparenter Klang, aber mit "Bauch" - sehr sinnlich! Die Gabe, die Gijs Leenaars hat, ist es, eben diese Balance zwischen Klarheit und Sinnlichkeit gefunden zu haben. Darüber hinaus erweist er sich auch als hervorragender Orchesterdirigent. Das akustisch Gesamtbild ist wunderbar austariert, der Chor wird nie vom Orchester zugedeckt, beide Klangkörper sind akustisch auf Augenhöhe vereint.

Brahms verstanden

Auch die kleineren - aber nicht minder intensiven - Werke auf der CD geraten unter der Hand von Gijs Leenaars zu Diamanten. In der Motette "Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen" hört man ein "piano" vom Allerfeinsten, die Einsätze im Fugato am Anfang sind klar, alles gefasst in eine wunderbare Linienführung. Besonders beeindruckend ist das Decrescendo auf dem Wort "warum", der Klang schwillt in Sekundenbruchteilen an und wieder ab - so etwas hat man in solcher Perfektion vielleicht noch nie gehört.

Gijs Leenaars hat Brahms verstanden. Es wäre zu wünschen, dass er mit dem Rundfunkchor Berlin möglichst bald auch das "Deutsche Requiem" aufnimmt!

Claus Fischer, rbbKultur

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