Porpora und Händel in London - Duel
Bild: arcana

Vokalmusik - Giuseppina Bridelli: "Duel"

Bewertung:

Gleich zwei Dinge heben das Album aus der Flut der Barock-CD-Schwemme heraus: die herausragende Mezzosopranistin Giuseppina Bridelli und das Konzept des Albums, das die legendäre Rivalität zweier der ganz großen Barock-Komponisten des 18. Jahrhunderts in London dokumentiert, nämlich Händel und Porpora.

Giuseppina Bridelli ist zu recht eine der großen Aufsteigerinnen der letzten Jahre, die gerade zum Sprung ansetzt vom Geheimtipp zum Star. Wo liegen ihre Stärken? Überall. Ihre Koloraturtechnik ist ebenso stupend wie präzise, sie hat viel Phantasie beim Auszieren der Reprisen, ihre Stimme ist äußerst stabil und dabei doch biegsam wie ein Florett, und, als wäre das nicht genug, hat sie auch noch einen enormen Stimmumfang. Sie gelangt ohne Anstrengung in abgründige Tiefen, könnte aber auch noch mühelos ins Sopranfach wechseln. Die ideale Interpretin also für Kastratenrollen und vielleicht bald der Schrecken aller Countertenöre.

Balance gut gewahrt

Das Album bringt Bewährtes von Händel, in Kombination mit erfrischend unabgenutzen Stücken von Porpora. Erfreulicherweise gibt es sogar ein kleines Porpora-Übergewicht – von 11 Stücken stammen sechs von Porpora und fünf von Händel. Trotzdem bleibt hier doch eine kleine Ungerechtigkeit zu verzeichnen – die effektvollen tobenden Stücke sind fast alle von Händel, während man von Porpora eher ruhige Arien ausgesucht hat. So entsteht der Eindruck, Händel wäre das unwiderstehliche Temperamentsbündel gewesen und Porpora eher die melancholische trübe Tasse. Ansonsten ist die Balance gut gewahrt.

Gelungen

Unbedingt erwähnenswert: das Ensemble Le Concert de l'Hostel Dieu, ein kleines, aber feines Barock-Orchesterchen, sehr filigran, sehr fein in den Nuancen, empathisch in der Vokalbegleitung. Dieser Coup ist wieder einmal einem ganz kleinen Label gelungen. Ich weiß nicht, ob es ein gutes Omen ist, das lateinische Wort "Geheim" im Titel zu tragen –  hoffen wir mal, dass hier der Name nicht Programm ist. Denn die Scheibe hat jede Menge Aufmerksamkeit verdient.

Matthias Käther, rbbKultur

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