Peter Tschaikowsky: Complete Works for Solo Piano mit Valentina Lisitsa; Montage: rbbKultur
Bild: DECCA

Solistin - Peter Tschaikowsky: Complete Works for Solo Piano

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Die ukrainische Pianistin Valentina Lisitsa, vor vielen Jahren bekannt geworden als YouTube-Star, hat sich bei ihrer neuesten Veröffentlichung der Fleißaufgabe sämtlicher Klavier-Solowerke von Peter Tschaikowsky unterzogen.

Das gab's schon mal in den Siebzigerjahren von Michael Ponti (aber nur auf fünf CDs) und Anfang der Neunzigerjahre mit Viktoria Postnikova (teilweise gemeinsam mit ihrem Ehemann Gennady Roshdestvensky). Wobei man mit sieben CDs immer noch wesentlich hinter der Ausbeute dieser neuen Box zurückblieb (weil jetzt erstmals auch der "Nussknacker", außerdem die posthume cis-Moll-Sonate und etliche Werke ohne Opus-Zahlen mit drin sind).

Tschaikowskys ausgereifendes Klavier-Solowerk gilt für eher undankbar, weil dem Komponisten, der gern im Akkord arbeitete, durchaus schwächere Werke mit drunter rutschten. Im Grunde scheinen die vom musikalischen Einfall lebenden Werke ihren skizzenhaften Charakter nie zu verleugnen; worin ihre Originalität besteht.

Die Pianistin Valentina Lisitsa im kulturradio-Studio; Foto: Carsten Kampf
Bild: Carsten Kampf

Valentina Lisitsa nähert sich dem durchaus draufgängerisch, mit kräftigen Farben und teilweise dickem Ton. Das könnte mehr glitzern, verströmte bei ihrer Vorgängerin Postnikova mehr damenhaftes Flair, mehr Salonhaftigkeit und Aura. Dafür aber findet man eine Fülle von Werken, mit denen sich berühmtere Pianisten nie die Finger schmutzig gemacht haben (einzig rühmliche Ausnahme z.B. bei den "Jahreszeiten": Mikhail Pletnew). Einzelnes, wie etwa die späten 18 Stücke op. 72, kein ephemeres Werk, gerät verdientermaßen in den Fokus. Die Box ist ein reelles Update. Als solches gelungen.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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