Berliner Philharmoniker: Peter Tschaikowsky - Symphonie Nr. 6
Bild: Berliner Philharmoniker Recordings

Zum ersten Mal - Berliner Philharmoniker: Peter Tschaikowsky - Sinfonie Nr. 6

Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker spielen Tschaikowskys Sechste. Die erste gemeinsame CD enthält nur ein Werk. – Zu wenig? Gerade richtig? Brillant?

Auf ihrer ersten gemeinsamen CD dokumentieren die Berliner Philharmoniker und ihr neuer Chefdirigent, der (ab August amtierende) Kirill Petrenko ein Konzertprogramm vom März 2017 in der Philharmonie. Dort gab es mit Tschaikowskys 6. Sinfonie "Pathétique" ein Werk, das direkt ins Herz des Repertoires Petrenkos und seiner russischen Heimat führt.

44 Minuten

Live gab es damals auch noch den (zwischenzeitlich schon erschienenen) "Wound Dresser" von John Adams zu hören sowie die "Haffner"-Sinfonie von Mozart; aber letztere erschien dem Orchester wahrscheinlich als eine "zu heiße Baustelle", als dass man sich damit womöglich in die Nesseln hätte setzen wollen. Sie fehlt. Weshalb die CD mit nur 44 Minuten eigentlich zu kurz ausfällt. Auch bildet das sperrige Querformat des Produkts ein Monitum – ein längliches Ding, von dem man nicht loskommt und das eher an die Menükarte eines amerikanischen Diners erinnert, welche aufgeklappt auf dem Tisch steht. Schließlich ist auch die Aussteuerung so extrem, dass man, wenn man nicht gerade Kopfhörer benutzt, mehrfach an besonders leisen oder lauten Stellen nachregeln muss. Doch dies sind Kleinigkeiten.

Grandioser Spannungs-Effekt

Petrenkos Zugriff ist kaltnadelhaft und unsentimental, dabei durchaus schlagkräftig und offensiv. Als gelehriger Schüler des großen Evgeny Mravinsky (des im Grunde einzigen Dirigenten, der Stilbildendes, aber trotzdem meist Ignoriertes zu Tschaikowsky hinterlassen hat) wird Petrenko immer da, wo Tschaikowsky laut und pathetisch wird, umso eisiger und nüchterner. Das ergibt einen grandiosen Spannungs-Effekt, zumal die in impressiver Breite aufgestellten Berliner Philharmoniker in den letzten 30 Jahren kaum je so virtuos geklungen haben; so brillant in den Mittelstimmen und in den sich daraus ergebenden Ein- und Durchblicken ins Innenleben der Partitur.

Energetisch, geballt und hinreißend

Seit Arthur Nikisch hatte sich kein Philharmoniker-Chef sonderlich für Tschaikowsky interessiert. (Karajan dirigierte ihn zwar gern, wählte aber eine ganz eigene, vollfette Interpretationsweise.) So ist diese energetische, geballte und hinreißend binnendifferenzierte Pathétique musikalisch der Auftakt einer neuen Ära, wie man ihn sich vielversprechender und besser nicht hätte vorstellen können. Petrenko selber billigt dem Mitschnitt  im Booklet "dokumentarische Bedeutung" zu. Als Momentaufnahme. Nun, von solchen Schnappschüssen können wir mehr vertragen.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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