Quartetto Italiano - The complete RIAS Recordings
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Kammermusik - Quartetto Italiano: The complete RIAS Recordings

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Das Quartetto Italiano, bestehend von 1945 bis 1985, war eine der legendärsten Adressen der Streichquartettszene in der Nachkriegszeit. Man favorisierte einen dunklen, gleichsam mysteriös umflorten und umloderten Klang, wie es ihn heute wohl überhaupt nicht mehr gibt.

Die Impulse gingen weniger von dem vornehm zurückhaltenden Primgeiger aus (Paolo Borciani, nach dessen Tod sich das familiär aufeinander eingeschworene Ensemble gleichwohl auflöste). Sondern von der Dame an der 2. Geige, Elisa Pegreffi, sowie von dem Bratscher Piero Farulli. Ruf und Nimbus dieses Ursprungs aller italienischen Streichquartette war immerhin mythisch genug, dass sogar ein Moderner wie Maurizio Pollini in den 70er Jahren noch Schallplatten mit ihnen aufnahm (für die DG).

Den großen Mozart- und Beethoven-Zyklen bei der Firma Philips (später Decca), mit denen das Quartett berühmt wurde, ging von 1951 bis 1963 eine kleine Serie von RIAS-Aufnahmen voraus, die hier gesammelt vorgelegt wird. Wann immer nämlich das Quartetto Italiano in Berlin für Konzertauftritte vorbeischaute, wurden die Musiker am Tag drauf von der berühmten Produzentin Elsa Schiller in den RIAS gebeten. Dabei gelangten auch so ungewohnte Werke wie das 7. Streichquartett von Donizetti und das 5. von Cherubini aufs Notenpult. Diese Werke (ähnlich wie das 4. Streichquartett von Gian Francesco Malipiero) wurden nie wieder so prominent eingespielt wie hier.

Frappant nicht zuletzt ist der vergleichsweise 'unsaubere' Zugriff. Die 1. Geige quietscht gelegentlich. Auf technischer Ebene liefern die 3 CDs übliche Argumente dafür, dass Aufnahmen aus jener Zeit von heutigen Streichquartett-Formationen fast überhaupt nicht mehr ernst genommen werden – ja nicht einmal mehr gehört werden können, ohne dass die Beteiligten die Augen verdrehen. Dabei wird gern überhört, welch beherzte Stillagen, welcher Ernst und welch herbe Eleganz auch bei Werken Haydns (op. 77/1), Schuberts (D. 112) und Schumanns (op. 41/2 f.) erzielt werden. Das Quartetto Italiano erlag noch nicht dem heute üblichen Putzfimmel und Hygienewahn in der Kammermusik. Sondern erinnert uns in schönster und höchst aufschlussreicher Weise daran, dass Kammermusik-Werke nicht einmal für Profis, sondern für den allgemeinen Hausgebrauch komponiert wurden. Mithin unsauber klingen dürfen! Das italienisch unverputzte Quartetto Italiano erreicht Ausdruckswerte, von denen heutige Ensembles nur träumen können.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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