Augustin Hadelich: "Violinkonzerte von Brahms & Ligeti"
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Violinkonzerte - Augustin Hadelich: "Violinkonzerte von Brahms & Ligeti"

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Zwei große Violinkonzerte hat der Geiger Augustin Hadelich auf seinem neuen Album kombiniert: das romantische Konzert von Johannes Brahms – eine "Geigensymphonie", denn das Orchester hat viel mitzureden –  und das Violinkonzert des Ungarn György Ligeti in 5 Sätzen. Zwei gewichtige und sehr verschiedene Konzerte.

Augustin Hadelich ist mit 35 Jahren einer der herausragenden Geiger unserer Zeit, dennoch in Europa noch ein Geheimtipp. Er lebt in New York, seit er an der Juilliard School studiert hat. Geboren wurde er in Italien, ist in einer deutsch-italienischen Familie von Wein- und Olivenbauern in der Toscana aufgewachsen.

In seiner Jugend erlitt er bei einem Unfall schwerste Verbrennungen im Gesicht, am Oberkörper und der rechten Hand. Es war unklar, ob das Geigen-Wunderkind Augustin wieder würde spielen können. Doch Hadelich hat sich damals zurückgekämpft. Auf inzwischen 18 Alben hat er ein breites Repertoire eingespielt von Telemann, Haydn, über Tango bis zu den Paganini-Capricen.

Mit dem Peruaner Miguel Harth-Bedoya, derzeit Chefdirigent beim Norwegian Radio Orchestra, arbeitet Hadelich schon lange zusammen. Wie gut das Team eingespielt ist, hört man im Ligeti-Konzert. Da müssen Solist und Orchester ebenso gut zusammen wie aneinander vorbeispielen. Hadelich meistert alle vertrackten technischen Hürden souverän. Wenn je ein Komponist in einem Violinkonzert gezeigt hat, auf wieviel verschiedene Arten man eine Geige zum Klingen bringen kann, dann Ligeti in diesem Werk von 1992.

Schiere Virtuosität

Auch ans Orchester hat der Ungar ungewöhnlichen Anforderungen – umgestimmte Instrumente, Holzbläser spielen auch Okarinas. Das NRO fremdelt nirgends damit. So macht es Spaß, Ligetis Spiel mit alten Formen einerseits zu verfolgen, andererseits die Anklänge an ungarische Melodik und über allem Hadelichs schiere Virtuosität.

Souveräner Ligeti, ausgereifter Brahms

Ungarn verbindet Ligeti mit Brahms, denn der hatte sein Violinkonzert für den ungarischen Virtuosen Joseph Joachim komponiert. Hadelich bringt mit seiner Stradivari puren Schönklang und kantige Ruppigkeit zusammen, vereint beides bruchlos. Genau das braucht Brahms! Hadelich kultiviert seinen schönen Ton, gibt ihm zugleich Biss, Attacke, hat Mut zum Geräusch im Ansatz. Er singt alle Phrasen aus, erzählt mit großer Wärme.

Dieser Brahms atmet, ist schön phrasiert. Besonders im ruhigen Tempo des Kopfsatzes blüht die Musik auf. Einziges Manko beim Brahms: Das Orchester kann klanglich nicht mithalten mit dem Solisten. Von den Holzbläsern wünscht man sich mehr Farben, und von Augustin Hadelich mehr Auftritte in Europa!

Christian Schruff, rbbKultur

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