Chopin Klavierkonzerte Nr. 1 und 2
Bild: Aparte

Erard-Flügel und Kammermusikbesetzung - "Chopin Klavierkonzerte Nr. 1 und 2"

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Schon in der Einleitung zu den beiden Chopin Klavierkonzerten hört man das Klavier von Anfang an, zudem übernimmt es manche Passagen, die eine kleine Streichertruppe nicht spielen kann - schlicht weil sie sonst von Bläsern gespielt werden.

Die Zeitgenossen Chopins hatten kaum Gelegenheit, Klavierkonzerte zu hören, also blieb nur, z. B. einen Pianisten und einige Streicher einzuladen.

Friedrich Kalkbrenner, ein virtuoser Kollege Chopins, besorgte eine sehr populäre Bearbeitung, bei der es interessanter Weise anstatt eines Cellos einen Kontrabass gibt. Was erst einmal wie eine Verlegenheitslösung aussieht, entpuppt sich aber zu einem äußerst reizvollen Experiment in neuer Klang- und Sinnerfahrung.

Herrliche originale Instrumente

Das Orchester in Chopins Klavierkonzerten wird allgemein sehr gering geschätzt. In der Kammermusikbearbeitung kommt aber vieles viel deutlicher heraus, entspinnen sich reizvolle Dialoge in einer Balance, die sonst nicht herrscht.

Dazu trägt auch der sehr schöne originale Erard-Flügel von 1838 bei, also aus der Zeit der Klavierkonzerte. Der Klang ist zwar etwas trockener, aber viel rhetorischer, obertonreicher, die schnellen Passagen gleichen Perlenketten. Das gilt auch für die Streicher mit Darmsaiten, allesamt herrliche originale Instrumente.

Chopin ganz neu gehört

Nun ist dies aber schon deshalb keine Rekonstruktion der Geschichte, weil die Aufnahmetechnik ein entscheidender Faktor ist. Leider wie so häufig zu direkt aufgenommen, nicht in der Situation eines Hörers gegenüber einem Ensemble. So wirkt das Klavier doch zu laut!

Durch das Klavier ergeben sich aber auch andere Tempovorstellungen, denn der kürzere Klang führt zu schnelleren Tempi, die Dank der leichten Mechanik überhaupt kein Problem sind. Das Cambini Quartett und David Lively spielen sehr fein, besonders die nicht übertriebene Agogik ist auffällig.

Chopin ganz neu gehört, das ist das Erlebnis dieser CD.

Clemens Goldberg, rbbKultur

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