Franziska Hölscher: "Sequenza" © Avi
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Kammermusik - "Sequenza"

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Franziska Hölscher ist bereits als Solistin, Kammermusikerin und Konzertdramaturgin unter anderem in Berlin und Brandenburg erfolgreich. Ihr CD-Debüt kommt spät, aber umso entschiedener: Fast im Alleingang verbindet sie ausdrucksstarke Musik unterschiedlicher Epochen.

Als künstlerische Leiterin der Kammermusiktage Mettlach, aber auch mit einer eigenen Reihe im Konzerthaus Berlin und der Dramaturgie des Bebersee-Festivals zeigt Franziska Hölscher, dass ihre Talente und Interessen weit über das Interpretieren vorgegebener Musikstücke hinausgehen. Die in Heidelberg geborene und unter anderem an der UdK Berlin ausgebildete Geigerin hat sich auch als Interpretin nie mit einer einzelnen Richtung zufrieden gegeben. Sie hat sowohl historisches Musizieren bei Reinhard Goebel gelernt als auch Stücke von Wolfgang Rihm uraufgeführt. Den Anspruch und die Erfahrung der Vielseitigkeit verwirklicht sie nun auch auf ihrem CD-Debüt.

Franziska Hölscher © Gregor Baron
Bild: Gregor Baron

Ein bewegendes Debüt

Zentrales und titelgebendes Stück ist die 1976 komponierte Sequenza VIII für Solovioline von Luciano Berio. Es ist ein geradezu aufreibendes Solo, nicht zufällig in der Dimension der d-Moll-Chaconne von Bach. Es ist ein Leib- und Lebensstück von Franziska Hölscher und das erweist sich auch in ihrer intensiven und dramatisch aufgeladenen Interpretation. Von hier aus knüpft sie Verbindungen zur barocken Trauergestik von Heinrich Ignaz Franz Biber, aber auch zu Schwesterwerken des nervösen und geräuschintensiven Salvatore Sciarrino. Die zweite Violinsonate von Robert Schumann spielt Franziska Hölscher gemeinsam mit dem zupackenden Severin von Eckardstein. In dieser Sonate fließen noch einmal alle nervösen und dramatischen Energien zusammen. Schumann bekommt so gleich mehrere neue Perspektiven. Ein bewegendes und bereicherndes, nicht zu Unrecht spätes Debüt.

Dirk Hühner, rbbKultur

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