Lamento: Bach - Salgán - Pugliese © Avi
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Kammermusik - Lamento: Bach - Salgán - Pugliese

Bewertung:

Der Pianist Martin Klett kombiniert auf diesem Album zwei Klavierkonzerte von Johann Sebastian Bach mit argentinischen Tangos.

Was verbindet die Musik der beiden berühmten argentinischen Tango-Komponisten Horacio Salgán und Osvaldo Pugliese mit den Klavierkonzerten von Johann Sebastian Bach? Für Martin Klett ist es die Klage, das Lamento, das den beiden ansonsten sehr verschiedenen Musikstilen innewohnt.

Gekonnt

Die Musik ist auf diesem Album nach einem recht einfachen Schema angeordnet: barockes Klavierkonzert - fünf Tangos - barockes Klavierkonzert - weitere fünf Tangos. Die Streicher spielen die Konzerte wie ein barockes Continuo und lassen dann bei den Tangos ihrem Temperament gekonnt freien Lauf. Der Pianist ist souverän in beiden musikalischen Welten zuhause, den ganz großen Unterschied aber macht das Bandoneon: bei den Tangos von Salgán und Pugliese ist es die klingende Seele dieser Musik, bei Bach aber darf es nicht mitspielen!

Getrennt

Ganz bewusst hat man bei der Barockmusik auf das expressive Instrument  verzichtet, denn "wir spielen Tango so wie Tango und Bach so wie Bach", sagt Martin Klett. Ein kategorischer Grundsatz, der musikhistorisch sicher Sinn ergibt. Doch anstatt die beiden Stile so stark voneinander zu trennen, wäre es  durchaus denkbar und interessant gewesen, auch die Musik von Johann Sebastian Bach mit dem argentinischen Nationalinstrument  zu verknüpfen. Denn obwohl das Bandoneon erst lange nach dem Thomaskantor „geboren“ wurde - um 1850 vom Krefelder Harmonikabauer Heinrich Band -  spielen moderne Bandoneonisten  auf ihrem vielseitigen Instrument mit größter Hingabe auch Sonaten von Scarlatti oder Bachs "Kunst der Fuge". 

So wirft das Album bei aller Qualität die Frage auf: hätte das Harmonika-Instrument nicht auch hier eine Chance verdient? Dieses Experiment und eine weniger starke Trennung der Stile hätten für eine echte Überraschung gesorgt.

Hans Ackermann, rbbKultur

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