Schumann: Dchterliebe © Alpha
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Gesang - Schumann: Dichterliebe

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Auf seiner neuen CD singt der deutsche Tenor Julian Prégardien die "Dichterliebe" von Robert Schumann in einer "neuen Fassung". Gelungen?

Der deutsche Tenor Julian Prégardien (Sohn des legendären Christoph Prégardien) fiel schon durch seine von Hans Zender instrumentierte "Winterreise" als ein dramaturgisch denkender, mutig programmierender Sänger auf. Bei Schumanns "Dichterliebe" folgt er erstmals der Fassung des Autographs (nach der neuen Bärenreiter-Edition). Die Änderungen innerhalb der "eigenen kritischen Notenausgabe", die für ihn als "nicht abgeschlossen" gilt, scheinen mir editorisch einsichtsreich zu sein. Dennoch bewegen sie sich eher im Bereich akademischer Fachfragen. Viel wichtiger wäre mir, dass Prégardien sich stärker auf den Text einließe als er es tut.

Ein sehr guter Sänger

Seine Textverständlichkeit, kein Zweifel, ist vorzüglich. Auf eine erzählerische Ausdeutung aber, also auf die semantische Ebene, lässt sich der Sänger irgendwie kaum ein. Das ist ein Fehler! Bei "Ich grolle nicht" grollt es zu wenig. Wenn die "Blüten springen", springt hier nichts. Stattdessen hat man sich durch einen ganzen Parcours umgebender Lieder und Stücke (auch von Clara Schumann) hindurchzuhören, bevor man beim Hauptstück, der "Dichterliebe", landet. Das will den Bräuchen des 19. Jahrhunderts Tribut zollen. So mutig wie Clara Schumann selber, die bei Darbietungen der "Dichterliebe" nach der ersten Hälfte einige Stücke aus den "Kreisleriana" einschaltete, ist man aber auch wieder nicht. Und das, obwohl mit Éric Le Sage einen Pianist zur Verfügung steht, der dies interpretatorisch ohne weiteres beglaubigen könnte.

Le Sage spielt auf einem Blüthner-Fortepiano von 1856, der viel knöcherner, salonhafter, irdisch fehlbarer klingt als ein neuer Steinway. Sehr passend. Fazit dennoch: Hier ist ein sehr guter Sänger zu hören, der ein zu kluger Sänger sein will. Würde er mehr am Text arbeiten, würde er auch ein großer Sänger sein.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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