CD Cover: 150 Jahre Wiener Staatsoper
Bild: Orfeo

Jubiläum - 150 Jahre Wiener Staatsoper – Die Geburtstags-Edition

Bewertung:

Zum 150. Geburtstag der Wiener Staatsoper – das Haus am Ring wurde 1869 eröffnet – versammelt eine 22 CD-Box immerhin neun Live-Gesamtaufnahmen, von denen fünf noch nie da waren.

Darunter "Eugen Onegin" mit Anna Netrebko (2013 unter Andris Nelsons), eine "Ariadne auf Naxos" unter Christian Thielemann (2014 mit Soile Isokoski, Daniela Fally und Johan Botha) sowie ein "Ballo in maschera" mit Piotr Beczala und Krassimira Stoyanova (2016).

Nicht alles in dieser Box ist wirklich konkurrenzfähig; Peter Seiffert etwa in einem bislang unveröffentlichten "Tristan" 2013 war leider nicht in Bestform. Vier der Gesamtaufnahmen sind sowieso nicht neu ("Wozzeck" und "Elektra" unter Böhm, ebenso "Figaro" und "Fidelio" unter Karajan waren früher schon erschienen.)

Es fehlt an Ehrgeiz

Auch fehlt es der Box an Ehrgeiz, das legendäre Wiener Mozart-Ensemble (mit Irmgard Seefried, der Schwarzkopf und Erich Kunz) zumindest ausschnittweise auf einer der beiden Bonus-CDs vorkommen zu lassen.

Einzel-Booklets und reichere Informationen gibt es überhaupt nicht. Das Aussehen der Box ist altbacken. Kein Zweifel, dass man sich hier der Jubiläums-Aufgabe mit links entledigt hat. Man zeigt die Lorbeeren, auf denen man sich im Vollgefühl der eigenen Wichtigkeit ausruhen kann.

Die wohl beste Auslastung weltweit

Das kann das Haus insofern wirklich, als man hier mit etwa 99% Ausverkauftheit die wohl beste Auslastung weltweit vorzuweisen hat. Musikgeschichtlich ist das Haus nicht so wichtig wie seine Stellung es suggeriert.

Uraufführungen hat es hier nicht so wahnsinnig viel gegeben. (Die fanden am Theater an der Wien, im Theater im Freihaus auf der Wieden, im Burgtheater oder im Carl-Theater statt.) Einzige große Ausnahme: "Die Frau ohne Schatten" (1919), aber die fehlt hier ausgerechnet. Und von minder bedeutenden Uraufführungen wie Karl Goldmarks "Königin von Saba" oder "Giuditta" von Franz Lehár standen keine Live-Mitschnitte zur Verfügung.

Ein Klotz

Immerhin finden sich – neben dem genannten "Eugen Onegin" – eine weitere Live-Aufnahme von Rossinis "Reise nach Reims" unter Claudio Abbado (1988 mit Montserrat Caballé). Sowie Ausschnitte aus einer Live-"Bohème" unter Carlos Kleiber, Julia Varady mit Szenen und Arien als Aida und Senta.

Ob man sich deswegen den ganzen Klotz anschaffen soll, muss aber jeder Sammler genau überlegen.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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