Adolfo Gutiérrez Arenas: Antonín Dvořák: Cello Works
Bild: Ibs Classical

Cellokonzerte - Adolfo Gutiérrez Arenas: "Antonín Dvořák: Cello Works"

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In Spanien ist er schon länger sehr erfolgreich, seit einigen Jahren tritt er zunehmend auch international auf: Der Cellist Adolfo Gutiérrez Arenas wurde 1975 in München als Sohn spanischer Eltern geboren, begann zunächst mit dem Klavier und wechselte im Alter von 14 Jahren zum Cello.

Studiert hat Adolfo Gutiérrez Arenas an der Escuela Superior de Musica in Madrid. Wichtige Impulse erhielt er unter anderem von Bernard Greenhouse, dem Cellisten des legendären Beaux-Art-Trios, und absolvierte Meisterkurse u.a. bei David Geringas; 2012 gewann er den Ravel-Preis. Auf CD hat er bereits Werke von Samuel Barber, Rachmaninow und Piazolla aufgenommen, es folgte ein Album mit Bachs Cello Suiten, dann eines mit den Cello-Sonaten von Beethoven. Seine vierte CD hat er jetzt ganz dem Komponisten Antonín Dvořák gewidmet. Julia Spinola hat sie sich angehört.

Das Hauptwerk

Das Hauptwerk auf dieser CD, das Cello-Konzert von Antonín Dvořák, ist ein Meilenstein der Celloliteratur und eines der berühmtesten Cellokonzerte überhaupt. Da braucht man als junger Musiker schon eine Portion Selbstbewusstsein, denn man stellt sich in die Tradition eines Rostropowitsch, einer Jacqueline du Pré oder eines Gautier Capuçon.

Wenn man eine Legende wie du Pré im Ohr hat, wird man mit dieser Aufnahme nicht hundertprozentig glücklich werden: Schon die ausgedehnte Orchesterintroduktion brodelt in ihrer Einspielung mit Daniel Barenboim und dem Chicago Symphony Orchestra gewaltig und baut eine immense Spannung auf. Und an den elektrisierenden, zufahrenden Ton mit dem du Pré schon den ersten Soloeinsatz in den Raum stellt, kommt Arenas nicht ganz heran.

Aber  der Vergleich ist natürlich unfair, weil er die Ohren verstopft für die genuinen Qualitäten, über die Arenas zweifellos verfügt. Da ist ein wunderbar kultivierter, warmer, kräftiger Celloton, eine große expressive Leidenschaft, die man unbedingt braucht für dieses hochromantische Konzert, und zugleich besitzt Arenas aber auch viel Einfühlungsvermögen. Er kann den Klang seines Cellos ins Zarte zurücknehmen, ohne an Farbe zu verlieren.

Dramatik und Emphase

Der solistische Part ist in diesem Konzert eingebunden in ein sehr komplexes Orchestergeschehen, in dem es immer wieder auch fordernde Orchester-Solostellen gibt. Diese feingliedrige Interaktion zwischen Orchester und Solo-Instrument gelingt den Magdeburger Philharmonikern unter ihrem Chefdirigenten Kimbo Ishii sehr gut. Auch die flexible Tempogestaltung, die ausdrucksstarke, wogende Agogik, die Dirigent Kimbo Ishii walten lässt, überzeugt mich sehr.

Nicht ganz so glücklich bin ich mit dem Tuttiklang: Vor allem im Forte klingt das Orchester wenig transparent, allzu wuchtig und dick. Aber dieses Manko an Klangkultur versucht das Orchester wieder wettzumachen, indem es mit großer Emphase und Ausdruckskraft spielt und sich leidenschaftlich in die dramatische Aussage des Werks wirft. Im zweiten Satz schmiegt sich der weiche singende Celloton von Arenas wunderbar dem Orchestergeschehen an. Das Thema dieses Satzes ist einem von Dvořáks Liedern entnommen, dem Lied "Lasst mich allein" aus dem Zyklus op. 82 – dann folgt im Mittelteil ein abrupter schmerzhafter Ausbruch in g-Moll. Solist und Orchester spielen hier mit großer Hingabe.

Dvořák komponierte sein h-Moll-Konzert während seiner Jahre in Amerika 1894 bis 95. Und die Arbeit daran war überschattet von der Nachricht, dass seine große, unerwiderte Jugendliebe, seine Schwägerin Josefina Čermáková im Sterben läge. Das Lied "Lasst mich allein" war ihr Lieblingslied. Dvořák widmete ihr also diesen Satz. Als ihn später, bereits nach seiner Rückkehr aus Amerika, die Nachricht ihres Todes erreichte, schrieb er auch das Finale des Konzerts, das eigentlich schon fertig war, noch einmal um. Er strich die traditionelle Solokadenz, um das Konzert mit einer anrührenden Coda schließen zu lassen, die die Liedmelodie noch einmal aufgreift. Das Lied selbst hat Arenas auch mit eingespielt auf diesem Album, in einer Bearbeitung für Cello und Klavier.

Feinfühliger Cellist

Es gibt nur noch zwei andere Werke für Cello und Orchester von Dvořák – beide sind sie auf dieser CD zu hören: ein sehr hübsches Rondo in g-Moll aus dem Jahr 1891. Dvořák komponierte es für eine Tournee, für die er noch Cellowerke brauchte. Ursprünglich war es für Klavier und Cello komponiert. In New York hat Dvořák den Klavierpart 1893 dann für Orchester umgeschrieben. In Arenas Aufnahme ist diesem Rondo noch das Charakterstück "Waldesruh" vorangestellt. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein Arrangement eines früheren Klavierstücks für vier Hände aus dem Zyklus "Aus dem Böhmerwalde". Arenas lässt hier die Cellomelodie leicht verhangen, fast somnambul über dem Orchester schweben.

Insgesamt muss ich sagen, ist das wirklich ein sehr gelungenes, in sich stimmiges Album eines ausgesprochen feinfühligen Cellisten, von dem man sicher noch einiges hören wird – nicht nur in Spanien, sondern zunehmend auch bei uns.

Julia Spinola, rbbKultur

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