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Kammermusik - "Amadeus"

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Ein Streichquartett, das sich an Mozarts "Zauberflöte" versucht, muss nicht an Größenwahn leiden, sondern einfach eine tolle Bearbeitung dafür finden. Das Quatuor Zaïde hat im Antiquariat die richtige entdeckt.

Offenbar im Zusammenhang mit der ersten Pariser Aufführung der "Zauberflöte" entstand um 1800 eine anonyme Bearbeitung für Streichquartett. Ein Freund des Quatuor Zaïde kaufte die Stimmen dafür in einem Antiquariat und präsentierte sie dem Quartett. Zum zehnjährigen Jubiläum des Quartetts kommt diese Bearbeitung gerade richtig, denn der Name Zaïde kommt von einem Mozart-Singspiel. Das aus vier Musikerinnen bestehende Quartett hat bisher mehrere Wettbewerbe gewonnen und drei CDs mit sehr unterschiedlichem Repertoire veröffentlicht. Dabei möchte sich das Quartett gerade nicht auf eine Richtung spezialisieren, Vielfalt und eine aus der Gegenwart gewonnene Perspektive sind Programm.

Die Zauberflöten-Bearbeitung bietet in 19 Nummern über eine Dreiviertelstunde lang jede Menge Stoff, die Stärken des Quartetts zu zeigen. Virtuosität wie bei der "Königin der Nacht" oder Sonorität wie beim "Marsch der Priester" werden gleichermaßen verlangt. Immer wechseln die Perspektive und die Tonlage, so dass keinerlei Langeweile aufkommt. Der Effekt ist keinesfalls komisch oder beschränkt, eher erstrahlt in der Vierstimmigkeit die Genialität der "Zauberflöte" noch deutlicher.

Das "Haydn-Quartett" G-Dur lässt Mozart auch einmal mit langem Atem hören, mit allen kompositorischen Finessen. Das Quatuor Zaïde gestaltet hier einmütig lange Bögen und pflegt eine von der historischen Aufführungspraxis geleitete rhetorische Deutlichkeit. Dass das Quartett auch Neue Musik zu spielen gewohnt ist, äußert sich in einem sehr direkten Zugriff auf die Klanglichkeit. Verzärtelt ist dieser Mozart nicht.

Dirk Hühner, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Anton Bruckner: Requiem © accentus music
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RIAS Kammerchor | Akademie für Alte Musik Berlin | Łukasz Borowicz - Anton Bruckner: "Requiem"

Trauermusiken von Anton Bruckner, größtenteils unbekannt, das macht neugierig! Hauptwerk ist sein Requiem in d-Moll, dazu kommen etliche Kompositionen, die bislang noch nicht eingespielt worden sind. Zu hören sind vier Gesangssolisten, der RIAS-Kammerchor und die Akademie für Alte Musik Berlin, die Leitung hat der noch recht junge polnische Dirigent Łukasz Borowicz.

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