Marc-Antoine Charpentier: Histoires sacrées
Bild: harmonia mundi

Barockmusik - Marc-Antoine Charpentier: Histoires sacrées

Bewertung:

Auf dem Markt für französische Barockmusik sind das Ensemble Correspondance und sein Gründer Sébastien Daucé zurzeit die produktivsten Player – mit einer Nase für ungewöhnliche, meist sakrale Musik.

Die "Histoires sacrées" von Marc-Antoine Charpentier zeigen den Komponisten von seiner italienischen Seite: Er ist Schüler Giacomo Carissimis, der heute vor allem für seine meist alttestamentarischen Historien berühmt ist, Werke, die für ein Oratorium zu kurz und für eine Kantate zu dramatisch sind und auch über deren Gattungen – Arie und Rezitativ – lediglich im Keim verfügen.

 

Höfische Contenance

Charpentier – mehr oder minder der einzige Franzose, der Historien komponiert hat – hat die Gattung dem heimischen Stil angepasst: Das instrumentale Kolorit, für Italienier uninteressant, wird bei ihm zum wichtigen Ausdrucksmittel.

Dagegen wird die expressive Spannweite eher beschnitten; höfische Contenance beherrscht den Ausdruck – der Hörer muss sich auf ruhiges Schwingen einlassen, dann öffnet sich ihm eine berührend sinnliche und zugleich melancholische Kunst.

Unspektakulär makellos

Die Doppel-CD enthält alttestamentarische Historien über Judith und Saul, eine Märtyrer-Geschichte von Cäcilia und dann Dialoge mit Jesus als Stifter des Abendmahls, als Kläger gegen den sündigen Menschen und als Auferstandenen mit Maria Magdalena.

Die Interpretation ist unspektakulär makellos und fordert Aufmerksamkeit, in den Reihen des Ensembles finden sich unbekannte, aber eindrucksvolle Sängerpersönlichkeiten wie Caroline Weynants als Judith oder Lucile Richardson als Maria Magdalena

Peter Uehling, rbbKultur

Weitere Rezensionen

Hector Berlioz: La damnation de Faust © Erato
Erato

CD-Kritik - Hector Berlioz: "La damnation de Faust"

Zum 150. Todestag des Komponisten Hector Berlioz ist eine Neuaufnahme der berühmten dramatischen Legende "Fausts Verdammnis" erschienen – mit der Star-Mezzo-Sopranistin Joyce DiDonato als Gretchen. Ist damit der Höhepunkt dieses Feierjahres erreicht?

Bewertung:
Joseph Haydn, Missa Cellensis © harmonia mundi
harmonia mundi

CD-Kritik - Joseph Haydn: "Missa Cellensis"

Sie ist die umfangreichste Vertonung des Messkanons aus der Hand von Joseph Haydn, die "Missa Cellensis" zu Ehren der Jungfrau Maria, kurz die "Mariazeller Messe". Nun liegt sie in einer historisch-informierten Neueinspielung vor, mit Solisten, dem RIAS-Kammerchor und der Akademie für Alte Musik Berlin, die Leitung hat Justin Doyle.

Bewertung:
André Ernest Modeste Grétry: Raoul Barbe Bleue © Aparte
© Aparte

Opéra-comique in drei Akten (1789) - André Ernest Modeste Grétry: Raoul Barbe Bleue

Blaubart – das düstere Märchen von Charles Perrault war vermutlich die erste Geschichte der Weltliteratur, die einen Serienmörder zum Helden hatte. Vertont wurde sie mehrmals erfolgreich – die bekanntesten Bühnenversionen stammen von Jacques Offenbach und Bela Bartok. Nun ist eine weitere auf CD erscheinen – Raoul Barbe Bleue von Grétry.  

Bewertung: