CD Cover: Drang in die Ferne
Bild: genuin

Vokalmusik - "Drang in die Ferne" - Schubert-Lieder und Volkslieder aus Island

Bewertung:

Ein CD-Debüt, das aufhorchen lässt! Der junge isländische Tenor Benedikt Kristjánsson hat Lieder von Franz Schubert aufgenommen, zusammen mit dem Pianisten Alexander Schmalcz. Und er hat diese Kunstlieder kontrastiert mit Volksliedern aus Island. Die singt er allerdings a cappella. Eine sehr clevere Dramaturgie, denn damit bekommt die CD mit dem Titel "Drang in die Ferne" eine absolut individuelle Note und wird beim Zuhören sehr abwechslungsreich. 

Und die Mischung harmoniert erstaunlich gut! Z.B. wenn ein Liebeslied von Schubert mit einem isländischen Liebeslied kombiniert wird oder ein isländisches Wiegenlied mit einem Nachtlied. Aber auch vom Charakter der Musik passt es, denn Schubert hat ja oft eine eigentümliche Schwermut in seinen Liedern, die sich auch in diesen isländischen Volksgesängen findet.

Musikalische und geistliche Wurzeln - Die Herkunft von Benedikt Kristjánsson

Benedikt Kristjánsson ist der Sohn einer Konzertsängerin und eines Pfarrers, der in seinen letzten Amtsjahren Bischof von Skálholt, dem ältesten Bistum in der isländischen lutherischen Volkskirche. Der Sänger hat also eine musikalische und auch eine geistliche Prägung durch das Elternhaus. Für ihn gehören beide auch untrennbar zusammen. Der christliche Glaube ist für ihn ebenso wichtig wie seine Sängertätigkeit.

Erste Erfolge mit Bach - dennoch CD-Debüt mit Schubert

Aufsehen erregte Benedikt Kristjánsson in den letzten Monaten als Sänger in Kantaten und Oratorien von Johann Sebastian Bach. Ein Bach-Interpret der ersten Reihe hat in den letzten Jahren auch seine Karriere stark gefördert, der künstlerische Leiter der Stuttgarter Bach Akademie und des Ensembles "Gaechinger Cantorey" Hans Christoph Rademann. Er hat Benedikt Kristjánsson in den letzten Jahren etliche große Partien in Kantaten und Passionen Bachs gegeben, die dieser mit Bravour gemeistert hat. So dürfte er sich in den nächsten Jahren als Evangelist in Bachs Passionen profilieren. Aber als lyrischer Tenor hat er eben auch ein durchaus nachvollziehbares Faible für Schubert-Lieder!

Hell, klar, lyrisch und flexibel - Eine bemerkenswerte Tenorstimme

Benedikt Kristjánsson hat nicht das, was traditionell als "große Stimme" bezeichnet wird. Beim Volumen kommt er vielleicht schneller an Grenzen als manch anderer Tenorkollege. Dafür sind die Lyrizität und Flexibilität seiner Stimme absolut beeindruckend!

Dazu kommt eine exzellente Textverständlichkeit und eine gute Beherrschung der deutschen Sprache. Auch da hat das Elternhaus beste Voraussetzungen geliefert, denn sowohl seine Mutter, die Sängerin, als auch sein Vater, der spätere Bischof, haben längere Zeit in Deutschland gelebt, Benedikt Kristjánsson ist also nahezu zweisprachig aufgewachsen.

Er hat an der Hanns-Eisler-Hochschule studiert und lebt seitdem in Berlin. Im Pianisten Alexander Schmalcz hat er keinen "Begleiter", sondern einen kongenialen Partner an seiner Seite. Er versteht es großartig, die stimmlichen Stärken von Benedikt Kristjánsson optimal zur Geltung zu bringen!

Claus Fischer, rbbKultur

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