East and West © Ars Produktion
Bild: Ars Produktion

Klavier - "East and West"

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Ihre griechischen Vorfahren lassen Danae Dörken nicht los. Auf der Insel Lesbos hat sie ein Festival gegründet und ihre neue CD beginnt mit griechischer Musik. Sie ist der Ausgangspunkt einer Identitäts-Erkundung zwischen Ost und West.

Fragen nach Identität, nach Herkunft und kulturellem Hintergrund haben Danae Dörken dazu bewogen, ein Programm mit sehr unterschiedlicher Musik zusammenzustellen. Am Ende soll die Vielfalt "uns nur näher zusammen bringen und enorme Stärke geben", wie sie schreibt. Mit einer griechischen Mutter und einem deutschen Vater trägt Danae Dörken selbst diese Vielfalt in sich. Ausgebildet wurde sie in Hannover bei Karl-Heinz Kämmerling und Lars Vogt, ein Ausweis höchster pianistischer Weihen.

Nun lebt sie in der Nähe von Berlin und gilt als eine der wichtigsten jungen Pianistinnen, die vor allem in der romantischen und modernen Musik reüssiert. Auch als Kammermusikpartnerin ist sie sehr geschätzt. Darüber hinaus schafft sie auf dem gemeinsam mit ihrer Schwester Kiveli organisierten Molyvos-Festival auf Lesbos einen ganz neuen Raum für klassische Musik und für vielfältige Begegnungen.

Griechische Meeresbrise

Den Stücken auf "East and West" ist eine Nähe zur Volksmusik gemeinsam und zugleich eine romantische Haltung dazu. Die herben, spätromantisch aufgeladenen Präludien des griechischen Spätromantikers Manolis Kalomiris zeigen auch gleich, wohin die Reise geht: zu einer kräftigen Ausdrucksmusik mit Lokalkolorit. Danae Dörken ist entschlossen, die Stärke der volksmusikalisch belebten Klassik zu beweisen, was ihr auch bei de Fallas "Feuertanz" und Bartóks "Rumänischen Volkstänzen" mit Verve gelingt. Chopin und vor allem Schubert leiden jedoch unter dem rhythmisch strikten Zugriff und finden nicht zu einem beseelten Klang. Dass Poulenc und Grieg zusammenpassen, hätte man kaum erwartet, aber das sowohl  unsentimentale als auch straffe Spiel wird beiden auf treffende Weise gerecht. Dem "Hochzeitstag auf Troldhaugen" tut die griechische Meeresbrise sogar richtig gut.

Dirk Hühner, rbbKultur

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