Great Britain – Great Music; Montage: rbbKultur
Bild: Avi Music

Kammermusik - "Great Britain – Great Music"

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Auf einer neuen CD widmet sich das Kölner Streichsextett Werken von Frank Bridge, Gustav Holst und Joseph Holbrooke. Hält die CD, was der Titel verspricht?

Das Kölner Streichsextett, gegründet 1997, gehört zu den sehr raren Vertretern seiner Art. Sein Repertoire ist grundsätzlich verschwindend klein – mit den Sextetten von Brahms, Dvorak und Tschaikowsky im Zentrum (sowie Schönbergs "Verklärter Nacht" und Richard Strauss' Vorspiel zu "Capriccio").

Daher bestehen entsprechende Ensembles auch meist aus aufgestockten Streichquartetten. Man landet unweigerlich bei entlegenen Orchideen wie den hier präsentierten Streichsextetten von Frank Bridge, Gustav Holst und – ganz, ganz selten – Joseph Holbrooke.

Wie alle Streichsextette neigen auch diese zu einer samtig veredelten und verbrämten Melancholie. Eine süße Herbheit und Dunkelheit ergibt sich schon aus dem Übergewicht tiefer Instrumente (der zwei Celli und zweier Bratschen).

Die Kölner mischen an dieser Stelle einen kleinen Schuss Essig in den Ton. Was jedem Saccharin-Übergewicht wohltuend vorbeugt. Der schlierige, leicht streifige Klang verleiht den köstlich dahinfließenden Werken einen schönen, vielleicht sogar "deutschen" Akzent. Dem Einduck übergroßer Bequemlichkeit, der manchen typisch britischen Werken anhaftet, wird entgegengewirkt.

Aus meinem Player ist die CD wochenlang gar nicht wieder herausgekommen. Sie enthält etliche der herrlichsten Entdeckungen des Jahres. "Weltersteinspielungen", wie auf dem Cover verheißen, sind dies dagegen nicht. Das Holbrooke-Sextett gab es schon einmal an entlegenerer Stelle bei Naxos (bzw. Marco Polo). Dasjenige von Frank Bridge hat früher das Raphael Ensemble aufgenommen (Hyperion).

Die Musiker, wie sie im Booklet schreiben, mussten sich während der Sessions als "Brextett" verulken lassen. Man sollte diese Dinge aber streng voneinander trennen. Und dem EU-Austritt der Briten mit umso mehr Liebe zur britischen Musik begegnen.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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