Johann Zach: Stabat Mater und Missa Solemnis © Musikmuseum
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Vokalmusik - Johann Zach: "Stabat Mater und Missa Solemnis"

Bewertung:

Johann Zach war einer von vielen hoch begabten und befähigten Komponisten, die aus Böhmen kamen und in ganzen deutschsprachigen Raum wirkten. Zwei seiner Werke auf einer neuen CD.

Zach verschlug es zuerst nach Mainz, das er nach zahlreichen Skandalen verlassen musste. Dann taucht er immer wieder in Italien, in Fürstenhöfen und Klöstern im ganzen Reich auf, um schließlich hoch angesehen in Stams in Tirol zu wirken. Sein Stabat Mater ist eine Meditation der Schmerzen einer Mutter und ein Musterbeispiel barocker Freskenmalerei, bei der Chor, Solisten und Orchester wie Farben und sehr dramatisch eingesetzt werden.

Sein Stabat Mater kann uns auch heute noch berühren, denn der Schmerz einer Mutter über den Verlust eines Kindes ist im Zeitalter der Toten im Mittelmeer und der Kriege in Syrien und im Jemen Alltag für viele Menschen. Gerade in den innerlichen Passagen  gelingt Zach eine Sprache, die man unmittelbar verstehen kann. Dabei kann man aber auch an Bilder des Barock denken, bei denen Vordergrund und Hintergrund, Licht und Schatten, sanfte und grelle Farben gekonnt eingesetzt werden. Sehr häufig treten geradezu opernhafte Züge auf, es gibt Rezitative und ariose Passagen, die aber nicht wie sonst in der Zeit als endlose Stücke mit vielen Wiederholungen auftreten.

Ein Spätwerk Zachs ist seine Missa Solemnis. Erstaunlich, wie auch in dieser repräsentativen Messe die Mittel des viel früheren Stabat Mater eingesetzt werden. Für uns eher fremd sind die fröhlichen Stücke, etwa das Et resurrexit, bei dem die Himmelfahrt als galanter Tanz gestaltet ist.

Während die Solisten auf einem recht hohen Niveau singen, ist der Chor zwar sehr gut einstudiert und historisch informiert von Dorothea Seel inspiriert worden, aber manches ist doch nicht auf dem höchsten Niveau und etwas schulmäßig gesungen. Auch die Aufnahmetechnik der Chöre ist etwas hallig. Trotzdem ist die Aufnahme empfehlenswert, bringt sie uns doch eines von noch zahllos schlummernden Beispielen der reichen geistlichen Musik des österreichischen Barock nahe.

Clemens Goldberg, rbbKultur

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