Maddalena and the Prince; Montage: rbb
Bild: Deutsche Grammophon

Barockmusik - "Maddalena and the Prince"

Bewertung:

Maddalena del Gobbo spielt Baryton, was vermutlich den ersten Teil des CD-Titels "Maddalena and the Prince" erklärt. Aber wer ist der Prinz?

Das Baryton entstand schon im frühen Barock. Die Komponisten des 17. Jahrhunderts fanden für das Streichinstrument jedoch kaum Verwendung, erst im späten 18. Jahrhundert wurde es für eine kurze Zeit ein zwar nicht viel gespieltes, aber typisches Instrument: Auf der Vorderseite glich es einer Gambe, verfügte aber über die sechs zu streichenden Darmsaiten hinaus über Resonanzsaiten aus Metall, die nicht nur mitschwangen und den Klang mit Obertönen anreicherten, sondern die man durch eine Öffnung im Hals auch zupfen konnte.

Fürstliches Vergnügen

Der nicht beste, aber berühmteste Spieler des Baryton war der "Prince" aus dem CD-Titel: Nikolaus I. von Esterházy konnte Baryton-Virtuosen wie Andreas Lidl an seinen Hof binden, hielt aber auch seinen Kapellmeister Joseph Haydn oder seinen Konzertmeister Luigi Tomasini zur Komposition von Baryton-Trios an, zumeist in der Besetzung Baryton, Viola und Violoncello. Haydn hat 126 Baryton-Trios hinterlassen, keine Gattung hat er in größerer Stückzahl bedacht.

Hingabe und Fantasie

Auf ihrer CD "Maddalena and the Prince" hat die Gambistin Maddalena del Gobbo immerhin drei Stücke aus diesem Repertoire eingespielt, die zeigen, dass Haydn auch diese Aufgabe mit großer Hingabe und viel Fantasie angenommen hat. Seine ebenfalls vertretenen und erwähnten Zeitgenossen lässt er weit hinter sich: Die einleitenden Adagio-Sätze seiner Trios sind große Musik mit weiter harmonischer und expressiver Spannweite. Dennoch sind die Facetten, die ein Andreas Lidl mit seiner geradlinigen Virtuosität oder Luigi Tomasini mit seinem italienischen Temperament einbringt, für ein vollständiges Bild vom Baryton interessant.

Maddalena del Gobbo spielt mit sehr substanzreichem, stabilem Ton, dabei aber auch sehr intim. Die Klangfarben-Schattierungen mit der in gleicher Lage spielenden Viola von Robert Bauerstatter sind äußerst reizvoll, die Zupfeffekte traumhaft schön.

Peter Uehling, rbbKultur

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