The Genesis of the Goldberg Variations; Montage: rbbKultur
Bild: Naxos

Klavier - "The Genesis of the Goldberg Variations"

Bewertung:

Der Pianist André Parfenov interpretiert Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen – und präsentiert im Anschluss auch gleich noch seine eigenen "New Goldberg Variations".

Das Thema der originalen Goldberg-Variationen lässt der 1972 in Russland geborene Pianist noch weitgehend unangetastet. Doch gleich nach der versonnenen Aria schlägt die Moderne buchstäblich mit voller Wucht zu.

Neue Variationen

"Quarten" hat Parfenov diese erste Variation überschrieben. Das barocke Vorbild ist in dieser Paraphrase nur noch ganz entfernt hinter mächtigen Akkorden zu erahnen. In den folgenden Variationen präsentiert der Pianist dann ein offenkundig nicht nur von Bach inspiriertes Werk, in dem unbegrenzt scheinende stilistische Fähigkeiten aufblitzen – mal impressionistisch verträumt wie Debussy, dann wieder spätromantisch-elegisch wie Rachmaninow. Und in der siebten Variation meint man, fröhliches Pop-Piano zu hören, gefolgt von einer verhangenen Jazzballade.

Die akademische Avantgarde ist mit einer "Serie" vertreten, eine "Toccata" führt die "New Goldberg Variations" schließlich in ein tänzerisches Finale. Über einem leicht verfremdeten  lateinamerikanischen Grundrhythmus verbindet sich dort die Freiheit des Jazz mit der klanglichen Vielfalt der zeitgenössischen Moderne.

André Parfenov; © Marco Borggreve
André Parfenov | Bild: Marco Borggreve

Altes Vorbild

Bevor André Parfenov auf diesem Album seine eigene Meisterschaft im modernen Kontrapunkt vorführt, spielt er zunächst  Bachs originale Goldberg-Variationen – und zeigt sich auch hier als stilsicherer und authentischer Interpret. Sein Bach ist schlank und direkt, kraft- und klangvoll, gespielt ohne übertriebene Ehrfurcht, aber mit großem Respekt. Ihn habe interessiert, was Bach wohl "beim Anblick des leeren Notenblattes" empfunden haben mag – diesen schöpferischen Akt, diese "Genesis" nachzuempfinden, ist André Parfenov auf dieser CD mit beiden Goldberg-Variationen hervorragend gelungen.

Hans Ackermann, rbbKultur

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