CD-Cover: Windsbacher Knabenchor: Water&Spirit
Bild: SONY Classical

Chor - Windsbacher Knabenchor: Water & Spirit

Bewertung:

Der Titel "Wasser und Geist" nimmt Bezug auf eine Bibelstelle am Anfang des Markusevangeliums. Da sagt Johannes der Täufer: "Ich taufe euch nur mit Wasser. Nach mir aber wird einer kommen, der wird euch mit dem Heiligen Geist taufen." Um dieses Thema kreisen  die hier aufgenommen Werke - vom Mittelalter über Renaissance und Barock bis zur Moderne.

 

Das Spannende an dieser CD: Zum Windsbacher Knabenchor mit seinem Leiter Martin Lehmann kommt hier noch einer der besten Perkussionisten der jüngeren Generation, der Italiener Simone Rubino

Die Idee, Vokalmusik mit Improvisation aus dem Bereich des Jazz zu kombinieren, ist nicht neu. Das Konzeptalbum "Offizium" mit dem Hilliard-Ensemble und dem Saxophonisten Jan Garbarek verkaufte sich in den 1990er Jahren millionenfach. Auch das Vokalensemble "Singer Pur" hat dieses Konzept aufgegriffen - gemeinsam mit dem Klarinettisten David Orlowsky. Aber ein Knabenchor kombiniert mit einem Perkussionisten - das gab es bislang noch nicht

Neue Klanghorizonte

Das Konzept geht tatsächlich auf! Das Schlagwerk wirkt nicht als fremde Zutat, sondern Simone Rubino spürt dem Klang der Knabenstimmen nach und spinnt diesen Klang auf seine Weise fort, da eröffnen sich dem Hörer neue Klanghorizonte. Und der Bezug zum christlichen Hintergrund der ausgewählten Werke ist ebenfalls stimmig.

Schon in den 1990er Jahren hatten „die Windsbacher“ eine enorme Qualität, damals leitete Karl-Friedrich Beringer den Chor. Damals wie heute überzeugen die jungen Sänger  durch große Homogenität im Klang und hervorragende Textverständlichkeit. Unter der Ägide von Martin Lehmann ist in den letzten Jahren allerdings etwas mehr "Seele" in den Chorklang gekommen. Durch die Verbindung mit den Schlaginstrumenten von Simone Rubino kommt das vielleicht auch noch deutlicher zum Tragen.

Simone Rubino mit solistischen Werken

Der Schlagzeuger Simone Rubino ist auf der CD ja auch mit solistischen Werken vertreten aus der Feder des chinesischen Komponisten Tan Dun. Auch darin geht es um das Wasser - ein Stück heißt direkt "Water Spirit". Das wirkt an manchen Stellen doch wie ein Fremdkörper im Kontext mit Heinrich Schütz oder Johannes Brahms und Francis Poulenc. Aber vielleicht bin ich da in meinen Hörgewohnheiten doch etwas zu konservativ - der rote Faden erschließt sich mir nicht richtig. Aber man kann ja auch die Stücke ohne Chor am CD-Player programmieren und hintereinander hören - es ist in jedem Fall spannend, was Sinone Rubino da für Klangerzeuger alles zum Einsatz bringt.

Claus Fischer, rbbKultur

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