Antonio Salieri: La Fiera di Venezia © Deutsche Harmonia Mundi
Bild: Deutsche Harmonia Mundi

Oper - Antonio Salieri: "La Fiera di Venezia"

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Antonio Salieri, einst recht misstrauisch als unterlegener Mozart-Rivale betrachtet, wird in letzter Zeit viel Aufmerksamkeit geschenkt – erst vor Wochen erschien seine Oper "Tarare" unter Christophe Rousset, letzt legt der Dirgent Werner Erhardt nach und präsentiert bei der Deutschen Harmonia Mundi Salieris frühe Oper "La Fiera di Venezia".

"La Fiera di Venezia" war Salieris erster großer internationaler Erfolg. 1772 in Wien uraufgeführt, wurde die Oper sofort zum Riesenhit in ganz Europa. Salieri war damals erst 21 Jahre alt, und Mozart hat auf eine Melodie daraus seine Variationen KV 180 geschrieben. Man spürt auch an anderen Stellen, dass ihn dieses Werk inspiriert hat.

1772 – das ist noch ein Jahr, in dem die Opera Buffa als Form etwas einförmig ist. Die große Reform der Gattung, die Salieri zusammen mit Sarti, Martin y Soler und Paisiello vorantrieb, setzte erst etwa 5 Jahre später ein, als diese Opernform das pure Abschnurren von Charakterarien überwand und die Ensemble in den Partituren wie Pilze aus dem Boden sprossen, bis sie in Anzahl und Qualität den Arien ebenbürtig waren.

Hier also noch einmal, trotz schöner Kettenfinali und ein paar Duetten, vor allem eine Arien-Revue. Aber war für Arien! Diese Charakterstücke machen wirklich Spaß. Belfustos wütender Ausbruch über die untreuen Frauen erinnert zum Beispiel schon stark an Figaros Arie im 4. Akt in "Figaros Hochzeit". Und manch eine kesse Frauenarie an Despina & Zerlina.

Stilistisch, unterschiedlich

Das Libretto ist albern und konfus, aber unbedingt genießbar. Eigentlich fast schon ein Operettentext. Das Ganze erinnert entfernt an Johann Straußens "Eine Nacht in Venedig" mehr als 100 Jahre später.

Im Mittelpunkt steht die Himmelfahrtsmesse in Venedig und das kaleidoskophafte karnevalsähnliche Treiben zu dieser Zeit – gezeigt werden dabei drei Paare, wie üblich damals jeweils aus dem Adel, dem Bürgertum und dem 4. Stand, bei ihren Amouren, Streichen und Streitereien. Übrigens stammt das Libretto vom Bruder von Luigi Boccherini. Er liefert wirklich tolle ( in der alten und neuen Wortbedeutung) Vorlagen für Salieri. Er kann sich als Komponist auszutoben, die vielen unterschiedlichen Figuren bieten jede Menge Möglichkeiten, stilistisch unterschiedliche Stile zu präsentieren.

Von der rasend schnellen Ariette bis zur großen Seria-Kolotatursarie mit obligaten Instrumenten ist hier alles versammelt, für Abwechslung ist gesorgt, und von Langeweile keine Spur, allerdings fordern einige dieser Kabinettstückchen den Sängern auch wirklich alles ab.

Es stimmt einfach alles

Und die sind ausgezeichnet, durch die Bank. Das liegt sicherlich an der Sorgfalt von Werner Ehrhardt, der sich in diese Musik und diese Zeit intensiv versenkt hat. Kleinsten Nuancen wird größte Beachtung geschenkt. Entwaffnend, wie viel Aufmerksamkeit er jeder Note eines Wiener Komponisten gewidmet hat, der nicht Mozart oder Haydn heißt. Und siehe, es hat sich gelohnt – Salieri klingt wichtig. Und das Ensemble L’arte del mondo scheint alle Facetten dieser nun wieder wichtigen Musik in all ihrer Delikatesse auszukosten.

Diese Reife ist Ehrhardt und seinen Akteuren nicht den Schoß gefallen. Es war ein langer Weg hin zu solch einer Perfektion. Manch eine frühere Produktion fand ich musikalisch nicht zündend, oder aber die Sänger waren zum Teil mit ihren Partien leicht überfordert  – diesmal stimmt einfach alles, ob Dilyara Idrisova als Coloandra, Krystian Adam als Otrogoto oder Giorgio Caoduro als Belfusto - alle sieben Sänger sind handverlesen und gut ausgesucht.  Die Aufnahme gehört für mich unbedingt zu den Top 5 der Opernproduktionen 2019.

Matthias Käther, rbbKultur

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