Bach: Reflected; Montage: rbbKultur
Bild: Oehms Classic

Improvisationen über Johann Sebastian Bach - Bach: Reflected

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Mit größter rhythmischer und klanglicher Freiheit improvisiert das Ensemble um den Geiger Benjamin Schmid über Themen von Johann Sebastian Bach.

Allein die Besetzung mit Akkordeon und Marimba lässt schon erwarten, dass Bachs Originale hier einige klangliche und stilistische Verwandlungen erleben – Originale, wie die Solo-Partita in E-Dur oder der langsame Satz aus Bachs E-Dur-Violinkonzert.

Balladen

Schmid und der Jazzgitarrist Dikknu Schneeberger lassen dieses Adagio aus dem barocken Konzert wie eine moderne Jazzballade klingen. Auf den Spuren des berühmten Sinti-Jazz-Duos Django Reinhardt & Stéphane Grappelli bekommt auch die "Loure", der langsame Satz aus der E-Dur-Partita, diesen Effekt zu spüren. Allerdings führt Benjamin Schmid das Thema zunächst ganz original ein, erst nach gut zwei Minuten gesellt sich das vorzügliche Jazzensemble dazu. Hier fällt besonders der Kontrabassist Georg Breinschmid mit angenehm swingenden Basslinien auf.

Träume

Einen "Fiebertraum" nennt Benjamin Schmid seine Fassung des Präludiums aus der Solo-Partita in E-Dur. Auch hier beginnt der Geiger wieder beim Original, bevor er das Stück dann tatsächlich wie im Fieber improvisierend verwandelt.

"Nach mehr als 30 Jahren intensiver Beschäftigung mit den Originalwerken" sei es an der Zeit gewesen, einmal "über Bach zu improvisieren", sagt Schmid. Tatsächlich hat er Bach auf seiner kostbaren "Ex-Viotti-Stradivari" ungezählte Male auch in ganz herkömmlicher Weise gespielt, hat mehr als 50 Alben aufgenommen. Darunter neben den Konzerten von Bach, Mendelssohn Bartholdy und Tschaikowsky auch Sonaten von Eugène Ysaÿe und andere Solowerke mit höchstem Schwierigkeitsgrad. Als Professor für Violine lehrt der 1968 in Wien geborene Geiger derzeit am Salzburger Mozarteum.

Blue Notes

Der Ausflug in den Jazz zeigt, dass Benjamin Schmid in beiden Welten zuhause ist. Rhythmisch swingend zieht er die Töne in seinen improvisierten Soli von oben oder unten – Blue Notes und Bach, hier funktioniert die fiebrige Mischung.

Hans Ackermann, rbbKultur

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