Bruckner - Sämtliche Klavierwerke; Montage: rbbKultur
Bild: Brilliant Classics

Etüden, Fantasien, Charakterstücke - Bruckner - Sämtliche Klavierwerke

Bewertung:

1868 hat Anton Bruckner seine Sinfonie Nr. 1 uraufgeführt – und zum gleichen Zeitpunkt sein allerletztes Klavierstück geschrieben. Bruckners "Sämtliche Klavierwerke" passen folgerichtig auf eine einzige CD.

Studien und Etüden, Fantasien, Charakterstücke, eine Sonate und ein Variationswerk – das komplette Klavierwerk von Anton Bruckner ist überschaubar geblieben, weil der Komponist mit der Uraufführung seiner ersten Sinfonie 1868 das Komponieren für das Klavier vollständig eingestellt hat.

Tänze

Die CD zeigt aber, wie bedauerlich dieser Umstand ist – hört man den fröhlichen "Steiermärker" aus dem Jahr 1850, das verträumte "Klavierstück in Es", das 1862 komponierte "Tema e Variazioni in G" oder die "Sonate in g-Moll" aus dem gleichen Jahr.

Natürlich reibt man sich bei manch einer "Quadrille" vielleicht kurz die Augen und fragt sich: Stammt dieser heitere Tanz wirklich vom ernsten, tiefreligiösen Komponisten, den man mit schwerer Sinfonik und feierlichen Messen verbindet?

Hausmusik

Tatsächlich hat Bruckner all diese kleinen Stücke geschrieben, im Vergleich zu seinen späteren  Sinfonien allerdings nicht für den Konzertsaal, sondern überwiegend  als Hausmusik. Spielbar auch für Amateure oder für Bruckners Klavierschüler. Auch der Pianist Francesco Pasqualotto wird die Werke vielleicht seine Studierenden spielen lassen – er ist Professor für Klavier im italienischen Cagliari.

Die Überraschung, Bruckner von seiner leichten, tänzerischen Seite kennenzulernen, dazu der ambitionierte Vortrag des italienischen Pianisten, macht das Album wertvoll. Man spürt die Anerkennung für eine Musik, die "nebenbei", aber mit größter Sorgfalt geschrieben wurde.

Erinnerung

Für den 1982 geborenen Pasqualotto, der das Album auf einem modernen Flügel eingespielt hat, ist Bruckners "Erinnerung" von 1868 ein kleines Meisterwerk, durchaus auch als Vorlage für ein Adagio in einer späteren Sinfonie denkbar. Wunderbar, wie Bruckner hier mit Kontrasten spielt.

Wer diese Miniatur und auch all die anderen Stücke auf diesem Album hört, wird sich fragen, warum nur hat uns Bruckner nicht wenigstens ein einziges Klavierkonzert hinterlassen!?

Hans Ackermann, rbbKultur

Weitere Rezensionen

The French Romantic Experience
© Bru Zane

Französische Romanik auf 10 CDs - The French Romantic Experience. Bru Zane discoveries in 19th-century music

In den zehn Jahren seines Bestehens ist über den Palazzetto Bru Zane, der hier eine Quersumme seiner Wiederentdeckungen auf 10 CDs versammelt hat, sehr viel geschrieben worden. Vielleicht zu viel. Immerhin gelang es der Erbin eines französischen Pharmakonzerns, Nicole Bru, eine ganze Epoche wieder ins Spiel zu bringen, die auch in Frankreich gründlich vergessen war: die französische Romantik. Man mag dabei an Madame de Staël und Victor Hugo, in der Malerei an Delacroix denken. Aber in der Musik? Dort stellte die französische Romantik bislang keine prominente Epoche dar – wenn man sie überhaupt als solche gelten lassen will.

Bewertung:
Benjamin Bernheim © Deutsche Grammophon
Deutsche Grammophon

Arien - Benjamin Bernheim

Auf seiner Debüt-CD singt der in Frankreich geborene Tenor Benjamin Bernheim Arien des französischen, italienischen und russischen Repertoires – und das bei der Deutschen Grammophon. Große Sache?

Bewertung: