Libertà! © Harmonia Mundi
Bild: Harmonia Mundi

Oper - "Libertà!"

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Auf einer neuen Doppel-CD dirigiert der französische Alte Musik-Dirigent Raphaël Pichon ein rätselhaftes, scheinbar neues Werk von Mozart. Worum handelt es sich dabei?

Unter dem Titel "Libertà" hat der französische Alte Musik-Dirigent Raphaël Pichon auf seiner neuen Doppe-CD meist unbekannte Arien, Kanons, Notturnos und Fragmente von Mozart versammelt, die meistenteils direkt vor den berühmten da Ponte-Opern entstanden sind und zu ihnen hinführen. Keine echten Frühwerke also, weisen sie doch oft frappante Ähnlichkeiten etwa mit Stellen aus dem "Don Giovanni" oder dem "Figaro" auf; womit Pichon zeigen will, dass sich selbst bei Mozart alles schrittweise aus sich heraus entwickelt hat – anstatt geniemäßig vom Himmel zu fallen.

Gesanglich und musikalisch superb betreut

Sortiert in drei Szenen (sie entsprechen "Figaro", "Don Giovanni" und "Così"), hat Pichon sogar noch Einzelnes aus jenen drei Opern von Zeitgenossen Mozarts mit eingefügt, die dieser schätzte (nämlich aus Solers "Una cosa rara", Salieris "La scuola de’ gelosi” und Paisiellos "Barbiere di Siviglia"). Gesanglich und musikalisch ist das superb betreut, zumal mit Sabine Devielhle und Sioban Stagg Mozart-Sänger der ersten Garde dabei sind.

Für Spezialisten

Unterm Strich werden hochrangige, aber vergessene Werke, z.B. Mozarts "Lo sposo deluso" und "König Thamos", hier prominent wieder ins Spiel gebracht. Ein gewisser dramaturgischer Übermut ist gleichfalls nicht zu verkennen. Er führt dazu, dass die Doppel-CD irgendwo zwischen illustrer Fußnotensammlung und akademischer Pralinenschachtel schwankt. Für Spezis. Für die aber sehr schön.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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