Lully © Alpha
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Alte Musik - "Lully"

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Der Klang aus Versailles: Choeur de Chambre de Namur und Millenium Orchestra mit drei Grand Motets von Jean-Baptiste Lully

Diese tragische Musikergeschichte ist nur allzu bekannt: Jean-Baptiste Lully, der "Surintendant de la musique" von Ludwig XIV., führt 1687 sein prächtiges Te Deum auf und rammt sich dabei im Überschwang den schweren Taktstock in den Fuß. Die Verletzung entzündet sich, an den Folgen stirbt Lully einige Wochen später, da er sich (als gelernter Tänzer) weigert, den verletzten Fuß amputieren zu lassen. – Lullys Te Deum blieb noch eine ganze Weile fester Bestandteil des höfischen Protokolls und wurde immer wieder zu festlichen Anlässen aufgeführt. Nun ist mal wieder eine Neuaufnahme erschienen.

Neuaufnahme unter Leitung von Leonardo García Alarcón

Verantwortlich für dieses neue Lully-Projekt ist der schweizerisch-argentinische Dirigent Leonardo García Alarcón. Mit den beiden von ihm geleiteten belgischen Ensembles Choeur de Chambre de Namur und Millenium Orchestra hat er nicht nur das Te Deum, sondern auch zwei weitere Grand Motets von Lully aufgenommen, nämlich den Bußpsalm "De profundis" und die Sequenz "Dies irae". Die Werke leben jeweils von einem dichten, expressiven Orchestersatz und der ständigen Abwechslung zwischen Vokalsolisten und Chor.

Heikle Akustik am historischen Ort

Aufgenommen wurden die Grand Motets in der Chapelle Royale in Versailles. Die Wahl dieses historischen Ortes erweist sich als nicht besonders glücklich, denn die Akustik ist aufdringlich hallig und verleiht den Kompositionen nicht etwa einen edlen sakralen Schein, sondern nimmt ihnen die notwendige Transparenz. Der Choeur de Chambre de Namur singt zwar intonationsrein und präzise, ist aber häufig nicht gut textverständlich, das Millenium Orchestra artikuliert (wohl wegen der heiklen Akustik) scharf, ist aber dennoch immer wieder "verwischt" wahrzunehmen. Hinzu kommt, dass die Vokalsolisten oftmals übermotiviert (im Falle des Tenores auch übertrieben belcantohaft) agieren, was einem angestrebten Gleichgewicht zwischen Soli und Chor nicht gerade zugutekommt. Etliche weitere Nebengeräusche, unter anderem das Atmen des Dirigenten oder Notenblättern, sind ebenfalls verzichtbar. Fazit: Grandiose Musik am ungünstigen Ort.

Bernhard Schrammek, rbbKultur

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