Debussy & Duruflé Nocturnes
Bild: LinnRecords

Orchester - Debussy & Duruflé Nocturnes - Requiem

Bewertung:

Vor zwei Jahren hat Robin Ticciati, Brite mit italienischen Wurzeln, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin übernommen. Seitdem wird das, was er musikalisch tut, von der Kritik überwiegend gelobt. Nun hat er mit dem Orchester, dem Rundfunkchor Berlin und der Mezzosopranistin Magdalena Kozena eine neue CD vorgelegt mit den drei Nocturnes von Claude Debussy und vor allem dem Requiem von Maurice Duruflé.

Verwandt und doch zwei Welten - Debussys „Nocturnes“ und Duruflés Requiem

Claude Debussy war auf dem Papier katholisch, aber nicht religiös. Maurice Duruflé dagegen war gläubiger Katholik und dazu Kirchenmusiker an Ste-Clothilde in Paris. Sein Requiem ist in den 1940er Jahren entstanden, gut vierzig Jahre als die Nocturnes von Debussy.

Aber Duruflé wurde durch Debussys Musik natürlich inspiriert. Und beide Komponisten haben Melodien von gregorianischen Chorälen in ihren Werken verwendet. Insofern ist es dramaturgisch sehr gelungen, die Debussys Nocturnes dem Duruflé-Requiem voranzustellen. Die ersten beiden Nocturnes sind reine Orchesterwerke.

Im dritten, „Sirènes“ kommt ein Frauenchor dazu - der Vokalisen singt - sehr eigenwillig, changierend zwischen Alptraum und Elysium. Diese Musik bildet den eindrücklichen Übergang zum ersten Satz von Duruflés Requiem ...

Farbiger Klang von Chor und Orchester - perfekt ausbalanciert

Man ist gepackt vom Orchesterklang, von den vielen farbigen Nuancen, die Robin Ticciati herausarbeitet, und die vom Chor aufgenommen und durch ihn verstärkt werden - das wirkt alles sehr organisch.

Und das liegt auch daran, dass der Rundfunkchor ja das Medium für Chorsinfonik in Berlin ist, die gehört bei den Damen und Herrn zur musikalischen DNA. Aber sie haben mit Gijs Leenaars eben auch einen Leiter, der dieses Potenzial zu wecken versteht. Es ist ja so, dass der „Einstudierer“ oft untern Tisch fällt, der Dirigent die Lorbeeren meist allein erntet. Und hier wird deutlich, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, nämlich dass eine gute Einstudierung des Chors erst richtiges Musizieren ermöglicht.

Und das beherrscht Robin Ticciati. Er ist ja trotz seiner italienischen Wurzeln durch und durch Brite und in der britischen Musiktradition zuhause. Und da spielt ja die Chorsinfonik bis heute eine sehr gewichtige Rolle, man denke an die Oratorien von Edward Elgar oder Benjamin Britten. Und auf diesem Hintergrund schafft er eine perfekte Balance zwischen Chor und Orchester. Die Sängerinnen und Sänger werden nie von den Musikern zugedeckt, und das kommt auch dann rüber, wenn man keine optimale Stereoanlage zur Verfügung hat.

Zwischen Tod und Verklärung - Magdalena Kozena

Die wunderbare Stimme der Sopranistin Magdalena Kozena rührt an, besonders natürlich im „Pie Jesu“, in dem sie sämtlichen lyrischen Register ziehen kann. Aber sie bringt auch die Zwischentöne sehr gut zum Tragen.

Duruflé hat sein Requiem ja in den 1940er Jahren komponiert. Er hatte von Kulturbehörde des Vichy-Regimes, also während der deutschen Besetzung Frankreichs den Auftrag bekommen, sollte aber eigentlich ein reines Orchesterwerk schreiben. Er hat sich aber für ein Requiem entschieden, wahrscheinlich weil er vorausahnte, wie der Krieg ausgehen würde.

Und fertig war das Werk dann erst nach der deutschen Kapitulation und der Abdankung des Vichy-Regimes. Dadurch ist es auch eine Trauermusik für die Millionen Toten dieses Krieges geworden. Also diese Ambivalenz zwischen Trauer und Überwindung von Leid und Tod, das kommt für mich sehr gut heraus in der Art, wie Magdalena Kozena ihren Part gestaltet.

Fazit: Keine "Jahrhundertaufnahme", aber empfehlenswert

Die Produktion ist absolut empfehlenswert. Wenn man allerdings andere Aufnahmen des Duruflé-Requiems, die qualitativ ähnlich gut, aber mit französischen Chören und Orchestern besetzt sind, vergleicht, berühren diese noch mehr.

Musik ist zwar eine universelle Sprache, aber sie kommt auch aus der Sprache einer bestimmten Kultur. Hier ist die Rhetorik wichtig, die nicht nur den Text, sondern den Fluss melodischer Phrasen betrifft. Und da hat ein Brite am Pult mit seinen überwiegend deutschen Sängern und Musikern vielleicht doch nicht den ganz tiefen Zugang, obwohl wie gesagt, perfekt und optimal austariert musiziert wird. Das schmälert aber den sehr guten Gesamteindruck nur wenig ...

 

Claus Fischer , rbbKultur

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