Franz Schubert: Letzte Klaviersonaten
Bild: Pentatone

Klavier - Franz Schubert: Letzte Klaviersonaten

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Der schweizerische Pianist und Wahlberliner Francesco Piemontesi (geboren 1983) ist längst kein Geheimtipp mehr. Nach Mozart-, Liszt- und Debussy-Interpretationen hat der Schüler von Alfred Brendel und Murray Perahia auf seinem neusten Album die drei letzten Klaviersonaten von Franz Schubert eingespielt.

Kühner Aufbruch

Bei aller Abgründigkeit, die in seinen letzten Sonaten steckt, ist es auch eine Mystifizierung, aus jedem Takt die Todesnähe heraushören zu wollen. Diese Sonaten markieren auch einen kühnen Aufbruch. Bei Schuberts "Spätwerk" handelt es sich um Werke eines 30-Jährigen.

Es sind Werke voller Kraft, voller jugendlicher Rebellion. Sie stecken voller Experimentierfreudigkeit und kompositorischer Innovationskraft. Nicht zufällig knüpft das Thema des ersten Satzes in der c-Moll-Sonate unmittelbar an Beethoven an, das Thema von Beethovens c-Moll-Variationen.

Verwandlungskunst und Balance

Piemontesi hat die Fähigkeit, die verschiedenen musikalischen Charaktere unglaublich plastisch, mit einer geradezu schauspielerischen Verwandlungsfähigkeit, zu formen. Aber so spontan und lebendig seine Interpretationen im Einzelnen klingen, erscheinen sie zugleich doch genau durchdacht und klug ausbalanciert in den Proportionen.

Piemontesi ist alles andere als ein Mann des äußeren Effektes. Das ist gerade bei Schubert ungeheuer wichtig. Denn Schuberts intime Innenwelten vertragen absolut keine Allüre. Das Andantino der A-Dur-Sonate spielt Piemontesi mit einem unsentimentalen Ausdruck der Verlorenheit.

Klangfarben

Piemontesis exzellente Technik beschränkt sich nicht auf pure Fingerfertigkeit, sondern zeigt sich auch im Reichtum an Klängen, die er dem Flügel entlockt. Die Fähigkeit, über das rein Pianistische hinauszudenken, hat er möglicherweise von Brendel gelernt, ebenso Ernsthaftigkeit und Ruhe, mit der er die langsamen Sätze aufbaut.

Die vielen Licht- und Stimmungswechsel in Schuberts Sonaten erhalten alle ihren ganz spezifischen Klang. Da ist ein sattes, volles Forte, das wirklich klingt, statt zu scheppern oder dröhnen, aber auch glitzernde Höhen oder mild verhangene Pianostellen.

Julia Spinola, rbbKultur

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