Horowitz – The Great Comeback © Sony Classical
Bild: Sony Classical

Klavier - Horowitz – The Great Comeback

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Ein einziges Konzert, auf 15 CDs! Ist das historische Comeback-Konzert (nach zwölfjähriger Bühnenabstinenz), das hier im Zentrum steht, auch rückblickend noch von so überragender Bedeutung?

Auf sage und schreibe 15 CDs wird in diesem großformatigen Set das Carnegie Hall-Comeback des russischen Pianisten Vladimir Horowitz im Mai 1965 dokumentiert. Horowitz hatte mehrfach seine Karriere für teilweise mehr als ein Jahrzehnt unterbrochen; aufgrund von Krankheiten, Depressionen, nervlichen Krisen oder Affairen (mit seinem Klavierschüler Nico Hoffmann). Die spektakulärste Rückkehr erfolgte in Gestalt des besagten Carnegie Hall-Konzert, das hier mit sämtlichen fünf Proben (bei denen hauptsächlich seine Ehefrau Wanda Toscanini-Horowitz im Parkett saß) wiedergegeben wird – und samt flankierenden Aufnahmesitzungen. (Hinzu kommt Folgekonzert 1966 und ein großes Ton-Interview, in dem Horowitz recht detailliert über die Gründe seiner Krisen Auskunft gibt.) Das bedeutet nebenbei, das hier – auf elf bislang unveröffentlichten CDs – auch die Dialoge von Horowitz mit seinem Produzenten Thomas Frost etc. wiedergegeben sind. Und zahlreiche Improvisationen, mit denen Horowitz sich einspielte oder lockerte. Ein 212-seitiger Bildband ist der Grund für die LP-Größe des Sets.

Ein großartiger Geschenkartikel

Das Ergebnis ist einer der großartigsten Geschenkartikel aller Zeiten. Noch nie wohl wurde ein solch aberwitziger Aufwand für einen Künstler betrieben; und nur für Horowitz lohnt er sich auch. Interessant zum Beispiel, dass die beiden heute einflussreichsten Pianisten aller Zeiten, nämlich Alfred Cortot und Horowitz, so viele hörbare Fehler spielten wie der Rest der pianistischen Welt zusammengenommen. Und dies – im Fall von Horowitz – trotz überragender, wenn auch eigenwilliger Technik. Horowitz bezeichnete sich ja selber gern als "letzten Romantiker", weil er seine Fehler offen vorzeige. Er hat darin eines der vermutlich tiefsinnigsten und klügsten Worte eines musikalischen Interpreten ausgesprochen, die es je gab. Der Würdigung dieser Box ist er würdig.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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