Ildar Abdrazakov: Verdi © Deutsche Grammophon
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Verdi Solo - Ildar Abdrazakov: Verdi

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Auf seiner ersten Solo-CD bei der Deutschen Grammophon singt der russische Bass Ildar Abdrazakov Arien von Giuseppe Verdi. Ist er da an der richtigen Adresse?

Auf seinem ersten Solo-Album singt der russische, aus Ufa stammende Bass Ildar Abdrazakov Arien von Verdi – und zwar fast sämtlich solche von (eher) Nebenrollen. Nicht Nabucco, sondern Zaccaria. Nicht Simon Boccanegra, sondern Fiesco. Nicht Macbeth, sondern Banquo. Einige Titelrollen wie Oberto sind auch dabei (in zwei Fällen unter Stichwortgeber-Mitwirkung des recht tonlosen Rolando Villazón). Sogar diejenige Rolle, mit der Abdrazakov für etlichen Jahren berühmt wurde: als "Attila" (damals live an der Metropolitan Opera unter Riccardo Muti). Dass der heutige, mächtige Met-Chefdirigent Yannick Nézet-Séguin samt seines Orchestre Métropolitain de Montréal diese CD begleitet, mag die Veröffentlichung mit begünstigt haben.

Der dramatische Funke fehlt

Der noble, auf Höflichkeit berechnete, leider auch etwas uniforme Ton Abdrazakovs bleibt sehr im Rahmen. Ob er als Hohepriester seine verzweifelten Landsleute aufmuntern soll oder als Hunnenkönig der Menschheit Geißel beschwört: Alles klingt hier eher wie die Ankündigung eines täglichen Ausflugsprogramms. Nun sind diese Schwierigkeiten womöglich Komponisten typisch und signifikant; schließlich sind Verdi-Alben in letzter Zeit höchst selten geworden (weder Thomas Hampson noch Christopher Maltman oder René Pape wurde eines erlaubt). Und wenn doch, so sind sie genau an diesem Punkt misslungen – qua Verwechselbarkeit (sogar einem alten Fuchs wie Placido Domingo gerieten auf seiner Verdi-Bariton-CD alle Charaktere fast gleich). Vermutlich bedarf Verdi doch einfach des Kontextes ganzer Werke und der Bühne.

Es fehlt dem Album der dramatische Funke, aber auch die Persönlichkeitsstärke, die es eigentlich bräuchte. Abdrazakov bestätigt sich als Sänger des Mittelfelds. Originell ist vor allem die Auswahl.

Kai Luehrs-Kaiser, rbbKultur

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