Synagogue Organ Music | Stephan Lutermann, Orgel | Assaf Levitin (Cantor); Label: CPO
Bild: Label: CPO

Stephan Lutermann, Orgel | Assaf Levitin, Kantoralgesang - Synagogale Orgelmusik des 19. und 20. Jahrhunderts

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Vierzehn Orgelkompositionen für die Synagoge aus dem 19. und  20. Jahrhundert, musikalisch äußerst vielfältig und interpretatorisch auf höchstem Niveau dargeboten von Stephan Lutermann, dazu liturgische Gesänge und Volkslieder mit Kantor Assaf Levitin – eine rundum gelungene CD mit einer spannenden Dramaturgie.

Das festliche Präludium zur Einweihung der Synagoge in der Oranienburger Straße zu Berlin vom Komponisten Hugo Schwätzer, mit dem das Programm der CD eröffnet wird, hat heute genau genommen kein Instrument mehr. Die mehrfach umgebaute Orgel, die Meister Carl August Buchholz im Jahr 1866 erbaut hatte, wurde in der Shoah zerstört – wie alle Synagogenorgeln in Deutschland. So musste Stephan Lutermann ein Instrument suchen, das vergleichbar klingt, um sein CD-Projekt zu realisieren ...

Annähernd passend - die große Orgel des Doms zu Verden an der Aller

Fündig wurde Stephan Lutermann im Dom zu Verden an der Aller. Dort steht ein Instrument von der Firma Furtwängler & Hammer aus Hannover, erbaut 1916. Das Werk funktioniert mit pneumatischer Traktur, also der Weg von der Taste zur Pfeife wird mittels Luftdruck überbrückt, das war auch nach den Umbauten der Orgel in der Synagoge in der Oranienburger Strasse in Berlin ebenso. Und die große Domorgel in Verden ist zum Glück kaum verändert worden - inzwischen hat man alle Eingriffe der letzten 100 Jahre rückgängig gemacht. So kommt sie annähernd an das Klangbild einer Synagogenorgel heran …

Es begann in Seesen am Harz – Die Orgel in der liberalen Synagoge

Es war das liberale Judentum, das sich allmählich für die Orgel begeisterte. Die Initialzündung war 1810 in der Kleinstadt Seesen am Rand des Harzes. Da hat Israel Jacobson, ein Rabbiner, der den Ideen der Aufklärung nahestand, in seine neu errichtete Synagoge, die er "Tempel" nannte, eine Orgel einbauen lassen. Von Seesen aus verbreitete sich das Instrument über ganz Europa. Die jüdischen Sakralkomponisten waren allerdings anfangs skeptisch. So z.B. Salomon Sulzer, ein Freund von Franz Schubert in Wien, der die Orgel nur als Begleitinstrument für den Kantor oder für den Chor einsetzte. Sein Sohn Joseph Sulzer hat dann aber wunderbare Solowerke für Orgel komponiert, darunter vier wunderbar empfindsame Präludien, die sich auf der CD finden.

Stephan Lutermann – Zauberer des "jüdischen Klangs"

Es ist erstaunlich, wie gut Stephan Lutermann den "jüdischen Klang" hinbekommt. Es ist ja so, dass die Orgeln der großen Synagogen in Deutschland vor der Shoah anders intoniert waren als die in den christlichen Kirchen, zwar auch im Dur-Moll-System, aber sie ermöglichten, Intervalle zu spielen, die "orientalischer" geklungen haben. Die Intonation erfolgte nach dem Gesang des Kantors im Gottesdienst, nach Melodien, die bis zu 3.000 Jahre alt sind und das kann man auf einer in Anführungszeichen christlichen Orgel nicht perfekt darstellen. Da wir aber nun leider keine großen Synagogalorgeln mehr haben, für die die Kompositionen eigentlich geschrieben sind, erreicht Stephan Lutermann das bestmögliche Ergebnis!

Kongenialer Künstler – Assaf Levitin

Kantor Assaf Levitin bildet mit liturgischen Gesängen und jiddischen Volksliedern den Orgelwerken den passenden Rahmen, denn deren Komponisten verarbeiteten beides in ihren Werken – kongenial!

Claus Fischer, rbbKultur

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